Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Einleitung in die attische Tragödie (Euripides Herakles erklärt, Bd. 1). Berlin, 1889.Die Herakleen. Kreophylos. hatte die einfachere tradition Herakles eben nur als sclaven der Omphalegedacht, der auch in dieser stellung, wie in Argos für Eurystheus, herumzog und heldentaten verrichtete. wo diese uns erzählt werden, da offenbaren sie das local der sage. Diodor (IV 31) lässt Omphale freilich über die Maioner-Lyder herrschen, aber Herakles züchtigt in ihrem dienste die Kerkopen, den Syleus und die Itoner; und als Omphale diese taten ihres sclaven sieht, den sie gar nicht gekannt hat, lässt sie ihn frei und gewährt ihm ihre liebe, aus welcher Lamos hervorgeht. nun, die Itoner Lydiens kennt keine karte 86), aber am malischen golfe liegt Iton oder Itonos, und da hat Herakles allerdings mit Kyknos einen schweren strauss gehabt. die Kerkopon edrai neben der petre Melampugou kennt Herodot an den Thermopylen (VII 216) 87). Syleus gehört an das Pelion 88), Lamos ist als eponymos von Lamia sogar ausdrücklich bezeugt 89), und was ist als heute war. ernsthaft ist die verbindung nur in der genealogie, welche Armonia als tochter des ungleichen pares dem Kadmos-Kosmos gesellt, der die drachensaat des Ares gesäet und gefällt hat. das hat die symbolische bedeutung, dass die ver- söhnung und der friede durch Aphrodite bewirkt wird. jede politische hochzeit will Ares durch Aphrodite bändigen und dadurch harmonie erzielen. die peloponnesische Aphrodite areia ist lediglich die 'streitbare', so genannt, weil sie gewappnet war. das ist eine göttin, welcher der name Aphrodite vielleicht, sicherlich nicht das wesen derselben, wie es in Ionien galt, zukommt: dem wesen nach ist Aphrodita areia vielmehr Athana. aber sie widerlegt allerdings den glauben, dass Aphrodite nichts als eine semitin sei. 86) Nonnus Dion. 13, 465, Steph. Byz. s. v. können ihr lydisches Iton oder Itone eben aus dieser sage haben. dagegen verlegt die apollodorische bibliothek (II 7, 7) Kyknos nach Iton. 87) Noch Diotimos (anm. 78) versetzt die Kerkopen nach Oichalia. nach Ephesos kommen sie, weil Eurubatos, ein ephesischer nichtsnutz, unter sie aufgenommen wird. vgl. im allgemeinen Lobeck Agl. 1296. die alte monumentale überlieferung zeigt, dass die sage im korinthischen culturkreis beliebt war; bei den Westhellenen hat sie sich länger gehalten; die Athener lassen sie fallen. ob das homerische Kerkopengedicht sie behandelt hat, ist sehr fraglich, da die Kobolde keinesweges eine so enge wirksamkeit gehabt haben. 88) Vgl. oben s. 38. dort ist übersehen, dass die vasenbilder ja gar nicht die amphipolitanische sage darzustellen brauchen, da sich die thessalische bequem dar- bietet. der bruder 'Biedermann' (Dikaios) neben dem 'Frevler' ist auch in Amphipolis anerkannt worden (brief des Speusippos an Philipp, Epistologr. 630 Herch.). ihn hat also Euripides eliminirt, und den verkauf des Herakles durch Hermes aus der Omphale- sage eingeführt. das wird erst jetzt ganz deutlich, wo man sieht, dass Syleus eine episode der Omphaledichtung ist. dafür zeugt Euripides wieder für das alter dieses sagenkreises. 89) Steph. Byz. apo Lamou tou Erakleous. nach Lydien gezogen hat ihn
der Karer Apollonios, der diese fabeln breiter behandelt hat, Geffcken de Steph. Byz. 40. Die Herakleen. Kreophylos. hatte die einfachere tradition Herakles eben nur als sclaven der Omphalegedacht, der auch in dieser stellung, wie in Argos für Eurystheus, herumzog und heldentaten verrichtete. wo diese uns erzählt werden, da offenbaren sie das local der sage. Diodor (IV 31) läſst Omphale freilich über die Maioner-Lyder herrschen, aber Herakles züchtigt in ihrem dienste die Kerkopen, den Syleus und die Itoner; und als Omphale diese taten ihres sclaven sieht, den sie gar nicht gekannt hat, läſst sie ihn frei und gewährt ihm ihre liebe, aus welcher Lamos hervorgeht. nun, die Itoner Lydiens kennt keine karte 86), aber am malischen golfe liegt Ἴτων oder Ἴτωνος, und da hat Herakles allerdings mit Kyknos einen schweren strauſs gehabt. die Κερκώπων ἕδραι neben der πέτρη Μελαμπύγου kennt Herodot an den Thermopylen (VII 216) 87). Syleus gehört an das Pelion 88), Lamos ist als eponymos von Lamia sogar ausdrücklich bezeugt 89), und was ist als heute war. ernsthaft ist die verbindung nur in der genealogie, welche Ἁρμονία als tochter des ungleichen pares dem Κάδμος-Κόσμος gesellt, der die drachensaat des Ares gesäet und gefällt hat. das hat die symbolische bedeutung, daſs die ver- söhnung und der friede durch Aphrodite bewirkt wird. jede politische hochzeit will Ares durch Aphrodite bändigen und dadurch harmonie erzielen. die peloponnesische Αφροδίτη ἀρεία ist lediglich die ‘streitbare’, so genannt, weil sie gewappnet war. das ist eine göttin, welcher der name Aphrodite vielleicht, sicherlich nicht das wesen derselben, wie es in Ionien galt, zukommt: dem wesen nach ist Ἀφροδίτα ἀρεία vielmehr Ἀϑάνα. aber sie widerlegt allerdings den glauben, daſs Aphrodite nichts als eine semitin sei. 86) Nonnus Dion. 13, 465, Steph. Byz. s. v. können ihr lydisches Ἰτών oder Ἰτώνη eben aus dieser sage haben. dagegen verlegt die apollodorische bibliothek (II 7, 7) Kyknos nach Iton. 87) Noch Diotimos (anm. 78) versetzt die Kerkopen nach Oichalia. nach Ephesos kommen sie, weil Εὐρύβατος, ein ephesischer nichtsnutz, unter sie aufgenommen wird. vgl. im allgemeinen Lobeck Agl. 1296. die alte monumentale überlieferung zeigt, daſs die sage im korinthischen culturkreis beliebt war; bei den Westhellenen hat sie sich länger gehalten; die Athener lassen sie fallen. ob das homerische Kerkopengedicht sie behandelt hat, ist sehr fraglich, da die Kobolde keinesweges eine so enge wirksamkeit gehabt haben. 88) Vgl. oben s. 38. dort ist übersehen, daſs die vasenbilder ja gar nicht die amphipolitanische sage darzustellen brauchen, da sich die thessalische bequem dar- bietet. der bruder ‘Biedermann’ (Δίκαιος) neben dem ‘Frevler’ ist auch in Amphipolis anerkannt worden (brief des Speusippos an Philipp, Epistologr. 630 Herch.). ihn hat also Euripides eliminirt, und den verkauf des Herakles durch Hermes aus der Omphale- sage eingeführt. das wird erst jetzt ganz deutlich, wo man sieht, daſs Syleus eine episode der Omphaledichtung ist. dafür zeugt Euripides wieder für das alter dieses sagenkreises. 89) Steph. Byz. ἀπὸ Λάμου τοῦ Ἡρακλέους. nach Lydien gezogen hat ihn
der Karer Apollonios, der diese fabeln breiter behandelt hat, Geffcken de Steph. Byz. 40. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0335" n="315"/><fw place="top" type="header">Die Herakleen. Kreophylos.</fw><lb/> hatte die einfachere tradition Herakles eben nur als sclaven der Omphale<lb/> gedacht, der auch in dieser stellung, wie in Argos für Eurystheus, herumzog<lb/> und heldentaten verrichtete. wo diese uns erzählt werden, da offenbaren<lb/> sie das local der sage. Diodor (IV 31) läſst Omphale freilich über die<lb/> Maioner-Lyder herrschen, aber Herakles züchtigt in ihrem dienste die<lb/> Kerkopen, den Syleus und die Itoner; und als Omphale diese taten ihres<lb/> sclaven sieht, den sie gar nicht gekannt hat, läſst sie ihn frei und gewährt<lb/> ihm ihre liebe, aus welcher Lamos hervorgeht. nun, die Itoner Lydiens<lb/> kennt keine karte <note place="foot" n="86)">Nonnus Dion. 13, 465, Steph. Byz. s. v. können ihr lydisches Ἰτών oder<lb/> Ἰτώνη eben aus dieser sage haben. dagegen verlegt die apollodorische bibliothek<lb/> (II 7, 7) Kyknos nach Iton.</note>, aber am malischen golfe liegt Ἴτων oder Ἴτωνος,<lb/> und da hat Herakles allerdings mit Kyknos einen schweren strauſs gehabt.<lb/> die Κερκώπων ἕδραι neben der πέτρη Μελαμπύγου kennt Herodot<lb/> an den Thermopylen (VII 216) <note place="foot" n="87)">Noch Diotimos (anm. 78) versetzt die Kerkopen nach Oichalia. nach Ephesos<lb/> kommen sie, weil Εὐρύβατος, ein ephesischer nichtsnutz, unter sie aufgenommen<lb/> wird. vgl. im allgemeinen Lobeck Agl. 1296. die alte monumentale überlieferung<lb/> zeigt, daſs die sage im korinthischen culturkreis beliebt war; bei den Westhellenen<lb/> hat sie sich länger gehalten; die Athener lassen sie fallen. ob das homerische<lb/> Kerkopengedicht sie behandelt hat, ist sehr fraglich, da die Kobolde keinesweges<lb/> eine so enge wirksamkeit gehabt haben.</note>. Syleus gehört an das Pelion <note place="foot" n="88)">Vgl. oben s. 38. dort ist übersehen, daſs die vasenbilder ja gar nicht die<lb/> amphipolitanische sage darzustellen brauchen, da sich die thessalische bequem dar-<lb/> bietet. der bruder ‘Biedermann’ (Δίκαιος) neben dem ‘Frevler’ ist auch in Amphipolis<lb/> anerkannt worden (brief des Speusippos an Philipp, Epistologr. 630 Herch.). ihn hat<lb/> also Euripides eliminirt, und den verkauf des Herakles durch Hermes aus der Omphale-<lb/> sage eingeführt. das wird erst jetzt ganz deutlich, wo man sieht, daſs Syleus eine<lb/> episode der Omphaledichtung ist. dafür zeugt Euripides wieder für das alter dieses<lb/> sagenkreises.</note>, Lamos<lb/> ist als eponymos von Lamia sogar ausdrücklich bezeugt <note place="foot" n="89)">Steph. Byz. ἀπὸ Λάμου τοῦ Ἡρακλέους. nach Lydien gezogen hat ihn<lb/> der Karer Apollonios, der diese fabeln breiter behandelt hat, Geffcken <hi rendition="#i">de Steph.<lb/> Byz.</hi> 40.</note>, und was ist<lb/><note xml:id="note-0335" prev="#note-0334" place="foot" n="85)">als heute war. ernsthaft ist die verbindung nur in der genealogie, welche Ἁρμονία<lb/> als tochter des ungleichen pares dem Κάδμος-Κόσμος gesellt, der die drachensaat<lb/> des Ares gesäet und gefällt hat. das hat die symbolische bedeutung, daſs die ver-<lb/> söhnung und der friede durch Aphrodite bewirkt wird. jede politische hochzeit will<lb/> Ares durch Aphrodite bändigen und dadurch harmonie erzielen. die peloponnesische<lb/> Αφροδίτη ἀρεία ist lediglich die ‘streitbare’, so genannt, weil sie gewappnet war.<lb/> das ist eine göttin, welcher der name Aphrodite vielleicht, sicherlich nicht das wesen<lb/> derselben, wie es in Ionien galt, zukommt: dem wesen nach ist Ἀφροδίτα ἀρεία<lb/> vielmehr Ἀϑάνα. aber sie widerlegt allerdings den glauben, daſs Aphrodite nichts<lb/> als eine semitin sei.</note><lb/></p> </div> </body> </text> </TEI> [315/0335]
Die Herakleen. Kreophylos.
hatte die einfachere tradition Herakles eben nur als sclaven der Omphale
gedacht, der auch in dieser stellung, wie in Argos für Eurystheus, herumzog
und heldentaten verrichtete. wo diese uns erzählt werden, da offenbaren
sie das local der sage. Diodor (IV 31) läſst Omphale freilich über die
Maioner-Lyder herrschen, aber Herakles züchtigt in ihrem dienste die
Kerkopen, den Syleus und die Itoner; und als Omphale diese taten ihres
sclaven sieht, den sie gar nicht gekannt hat, läſst sie ihn frei und gewährt
ihm ihre liebe, aus welcher Lamos hervorgeht. nun, die Itoner Lydiens
kennt keine karte 86), aber am malischen golfe liegt Ἴτων oder Ἴτωνος,
und da hat Herakles allerdings mit Kyknos einen schweren strauſs gehabt.
die Κερκώπων ἕδραι neben der πέτρη Μελαμπύγου kennt Herodot
an den Thermopylen (VII 216) 87). Syleus gehört an das Pelion 88), Lamos
ist als eponymos von Lamia sogar ausdrücklich bezeugt 89), und was ist
85)
86) Nonnus Dion. 13, 465, Steph. Byz. s. v. können ihr lydisches Ἰτών oder
Ἰτώνη eben aus dieser sage haben. dagegen verlegt die apollodorische bibliothek
(II 7, 7) Kyknos nach Iton.
87) Noch Diotimos (anm. 78) versetzt die Kerkopen nach Oichalia. nach Ephesos
kommen sie, weil Εὐρύβατος, ein ephesischer nichtsnutz, unter sie aufgenommen
wird. vgl. im allgemeinen Lobeck Agl. 1296. die alte monumentale überlieferung
zeigt, daſs die sage im korinthischen culturkreis beliebt war; bei den Westhellenen
hat sie sich länger gehalten; die Athener lassen sie fallen. ob das homerische
Kerkopengedicht sie behandelt hat, ist sehr fraglich, da die Kobolde keinesweges
eine so enge wirksamkeit gehabt haben.
88) Vgl. oben s. 38. dort ist übersehen, daſs die vasenbilder ja gar nicht die
amphipolitanische sage darzustellen brauchen, da sich die thessalische bequem dar-
bietet. der bruder ‘Biedermann’ (Δίκαιος) neben dem ‘Frevler’ ist auch in Amphipolis
anerkannt worden (brief des Speusippos an Philipp, Epistologr. 630 Herch.). ihn hat
also Euripides eliminirt, und den verkauf des Herakles durch Hermes aus der Omphale-
sage eingeführt. das wird erst jetzt ganz deutlich, wo man sieht, daſs Syleus eine
episode der Omphaledichtung ist. dafür zeugt Euripides wieder für das alter dieses
sagenkreises.
89) Steph. Byz. ἀπὸ Λάμου τοῦ Ἡρακλέους. nach Lydien gezogen hat ihn
der Karer Apollonios, der diese fabeln breiter behandelt hat, Geffcken de Steph.
Byz. 40.
85) als heute war. ernsthaft ist die verbindung nur in der genealogie, welche Ἁρμονία
als tochter des ungleichen pares dem Κάδμος-Κόσμος gesellt, der die drachensaat
des Ares gesäet und gefällt hat. das hat die symbolische bedeutung, daſs die ver-
söhnung und der friede durch Aphrodite bewirkt wird. jede politische hochzeit will
Ares durch Aphrodite bändigen und dadurch harmonie erzielen. die peloponnesische
Αφροδίτη ἀρεία ist lediglich die ‘streitbare’, so genannt, weil sie gewappnet war.
das ist eine göttin, welcher der name Aphrodite vielleicht, sicherlich nicht das wesen
derselben, wie es in Ionien galt, zukommt: dem wesen nach ist Ἀφροδίτα ἀρεία
vielmehr Ἀϑάνα. aber sie widerlegt allerdings den glauben, daſs Aphrodite nichts
als eine semitin sei.
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools ?Language Resource Switchboard?FeedbackSie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden. Kommentar zur DTA-AusgabeDieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.
|
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden. Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des § 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
2007–2024 Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.
Kontakt: redaktion(at)deutschestextarchiv.de. |