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Klepperbein, Vertraugott: Den Todt im Leben Und das Leben im Tode. Schlichtingsheim (Oder), 1693.

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Abdanckungs-Rede.
Freuden/ da die Augen nicht mehr Thränen-Qvelle seyn;
Eine solche Ruhe/ da keine Furcht uns schrecket; Ein Hauß
des Friedens/ da kein Feld-Geschrey mehr gehöret wird:
Eine sichere Wohnung/ da kein Feind einige Belägerung
versuchet: Ein Paradieß/ worin kein Baum mehr Früch-
te des Todes bringet: Ein Vaterland/ nach dem wir uns
sehnen: Ein Ziel/ da die Kleinoder außgetheilet werden:
Eine güldene Zeit/ da ewige Freude wird auff unserem
Esa. 51, 11.
Matth. 25
v.
13.
Haupte seyn/ Freude und Wonne werden uns ergreiffen;
Aber Trauren und Seuffzen wird von uns ziehen. Da ist
eine rechte Herren-Freude/ zu welcher der fromme und ge-
treue Knecht soll eingehen: Eine Hochzeit des Lamms/ eine
liebliche Wohnung/ da wir werden sagen: HErr hier ist
gut seyn. Wie lieblich sind doch diese Wohnungen/ Herr
Zebaoth. Jst der Himmel schon so schöne von aussen/ daß
man bey stillen und klaren Nächten/ von dem gestirntem
Firmament bezeugen möchte/ er wäre mit Diamanten/
Smaragden und Rubinen versetzet. Ach wie viel tausent-
mahl schöner wird er nicht von innen seyn; Weil dieses Jrr-
dische nicht werth ist der zukünfftigen Herrligkeit welche wir
mit unsern Augen dermahleinst werden zu schauen bekom-
1. Cor. 2, 9men; Welches itzo noch kein Auge gesehen/ kein Ohr gehö-
ret/ auch in keines Menschen Hertz kommen ist/ was GOtt be-
reitet hat denen/ die ihn lieben. Ja wer wolte nun nicht wün-
schen auffgelöset zu werden/ und bey CHristo zu seyn. Da-
hin aber zu gelangen ist unmöglich/ es gehe denn zuvor her
eine gute Vorbereitung zu einem seeligen Außgange aus der
Welt/ und folge darauf durch einen seeligen Tod/ ein freu-
diger Eingang zur ewigen Freude. Wenn man werde aus

der

Abdanckungs-Rede.
Freuden/ da die Augen nicht mehr Thraͤnen-Qvelle ſeyn;
Eine ſolche Ruhe/ da keine Furcht uns ſchrecket; Ein Hauß
des Friedens/ da kein Feld-Geſchrey mehr gehoͤret wird:
Eine ſichere Wohnung/ da kein Feind einige Belaͤgerung
verſuchet: Ein Paradieß/ worin kein Baum mehr Fruͤch-
te des Todes bringet: Ein Vaterland/ nach dem wir uns
ſehnen: Ein Ziel/ da die Kleinoder außgetheilet werden:
Eine guͤldene Zeit/ da ewige Freude wird auff unſerem
Eſa. 51, 11.
Matth. 25
v.
13.
Haupte ſeyn/ Freude und Wonne werden uns ergreiffen;
Aber Trauren und Seuffzen wird von uns ziehen. Da iſt
eine rechte Herꝛen-Freude/ zu welcher der fromme und ge-
treue Knecht ſoll eingehen: Eine Hochzeit des Lam̃s/ eine
liebliche Wohnung/ da wir werden ſagen: HErꝛ hier iſt
gut ſeyn. Wie lieblich ſind doch dieſe Wohnungen/ Herꝛ
Zebaoth. Jſt der Himmel ſchon ſo ſchoͤne von auſſen/ daß
man bey ſtillen und klaren Naͤchten/ von dem geſtirntem
Firmament bezeugen moͤchte/ er waͤre mit Diamanten/
Smaragden und Rubinen verſetzet. Ach wie viel tauſent-
mahl ſchoͤner wird er nicht von innen ſeyn; Weil dieſes Jrꝛ-
diſche nicht werth iſt der zukuͤnfftigen Herꝛligkeit welche wir
mit unſern Augen dermahleinſt werden zu ſchauen bekom-
1. Cor. 2, 9men; Welches itzo noch kein Auge geſehen/ kein Ohr gehoͤ-
ret/ auch in keines Menſchen Hertz kom̃en iſt/ was GOtt be-
reitet hat denen/ die ihn lieben. Ja wer wolte nun nicht wuͤn-
ſchen auffgeloͤſet zu werden/ und bey CHriſto zu ſeyn. Da-
hin aber zu gelangen iſt unmoͤglich/ es gehe denn zuvor her
eine gute Vorbereitung zu einem ſeeligen Außgange aus deꝛ
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[36/0036] Abdanckungs-Rede. Freuden/ da die Augen nicht mehr Thraͤnen-Qvelle ſeyn; Eine ſolche Ruhe/ da keine Furcht uns ſchrecket; Ein Hauß des Friedens/ da kein Feld-Geſchrey mehr gehoͤret wird: Eine ſichere Wohnung/ da kein Feind einige Belaͤgerung verſuchet: Ein Paradieß/ worin kein Baum mehr Fruͤch- te des Todes bringet: Ein Vaterland/ nach dem wir uns ſehnen: Ein Ziel/ da die Kleinoder außgetheilet werden: Eine guͤldene Zeit/ da ewige Freude wird auff unſerem Haupte ſeyn/ Freude und Wonne werden uns ergreiffen; Aber Trauren und Seuffzen wird von uns ziehen. Da iſt eine rechte Herꝛen-Freude/ zu welcher der fromme und ge- treue Knecht ſoll eingehen: Eine Hochzeit des Lam̃s/ eine liebliche Wohnung/ da wir werden ſagen: HErꝛ hier iſt gut ſeyn. Wie lieblich ſind doch dieſe Wohnungen/ Herꝛ Zebaoth. Jſt der Himmel ſchon ſo ſchoͤne von auſſen/ daß man bey ſtillen und klaren Naͤchten/ von dem geſtirntem Firmament bezeugen moͤchte/ er waͤre mit Diamanten/ Smaragden und Rubinen verſetzet. Ach wie viel tauſent- mahl ſchoͤner wird er nicht von innen ſeyn; Weil dieſes Jrꝛ- diſche nicht werth iſt der zukuͤnfftigen Herꝛligkeit welche wir mit unſern Augen dermahleinſt werden zu ſchauen bekom- men; Welches itzo noch kein Auge geſehen/ kein Ohr gehoͤ- ret/ auch in keines Menſchen Hertz kom̃en iſt/ was GOtt be- reitet hat denen/ die ihn lieben. Ja wer wolte nun nicht wuͤn- ſchen auffgeloͤſet zu werden/ und bey CHriſto zu ſeyn. Da- hin aber zu gelangen iſt unmoͤglich/ es gehe denn zuvor her eine gute Vorbereitung zu einem ſeeligen Außgange aus deꝛ Welt/ und folge darauf durch einen ſeeligen Tod/ ein freu- diger Eingang zur ewigen Freude. Weñ man werde aus der Eſa. 51, 11. Matth. 25 v. 13. 1. Cor. 2, 9

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Zitationshilfe: Klepperbein, Vertraugott: Den Todt im Leben Und das Leben im Tode. Schlichtingsheim (Oder), 1693, S. 36. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/359522/36>, abgerufen am 27.11.2022.