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Klepperbein, Vertraugott: Den Todt im Leben Und das Leben im Tode. Schlichtingsheim (Oder), 1693.

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Abdanckungs-Rede.
Grauen verursachen könte/ ihnen vergienge; Dahero die
Egyptier und ihre Nachfolger/ so wohl Wohlriechende/ als
der Fäuinüß steurende Gewürtze und Salben gebrauchet/
Aloe/ Myrrhen/ Casia/ Saltz/ Wachs/ Honig/ Salpeter/
Gummi/ Aspalten/ Socrotiner-Safft.

Welches bey der Balsamirung Jacobs, Joh. Conrad
Dieterici in Antiqvitatibus Biblicis p. m.
150. und von ande-
ren Völckern/ Joh. Rosinus, und Thomas Dempsterus in An-
tiqvitalibus Rom. Lib. VI. p. m.
634. auch andere mehr an-
gezeuget haben.

Woher es denn auch kommen/ daß bey allen Völ-
ckern/ die Leichen aus den Augen der Menschen geschaffet
werden; Entweder durch Beerdigung der gantzen Cör-
per/ oder durch Verbrennung des Leibes/ und Versen-
ckung der noch überbliebenen etlichen Gebeine. Die Be-
raubung eines Begräbnüsses/ und die Wieder ausgrabung
der Todten/ ist allezeit ein Abscheu und grosse Straffe ge-
wesen/ wie hiervon Joh. Andreas Qvenstedius in Tract. de
Sepultura Vet. c. I. II. & IV.
wie auch Rosinus in Antiqvit.
Rom.
erwiesen.

Es muß doch der Erden/ was der Erden: Und dem
Himmel/ was dem Himmel gehöret/ abgeführet und zuge-
stellet werden. Und bleibt wohl bey diesem Eckel derer
Sterblichen/ bey dem/ was ein gelehrter Mann davon ju-
dici
ret: Gleichwie man bißweilen die nach dem Tode be-
weine/ die man im Leben gehasset: Also entziehe man sich
durch einen eckelnden Haß von den jenigen im Tode/ da
man sie doch im Leben geliebet. Oder wie uns Seneca ein
Gleichnüß geben könte: Vides accidere Pueris, illi qvos a-

mant

Abdanckungs-Rede.
Grauen verurſachen koͤnte/ ihnen vergienge; Dahero die
Egyptier und ihre Nachfolger/ ſo wohl Wohlriechende/ als
der Faͤuinuͤß ſteurende Gewuͤrtze und Salben gebrauchet/
Aloe/ Myrꝛhen/ Caſia/ Saltz/ Wachs/ Honig/ Salpeter/
Gummi/ Aſpalten/ Socrotiner-Safft.

Welches bey der Balſamirung Jacobs, Joh. Conrad
Dieterici in Antiqvitatibus Biblicis p. m.
150. und von ande-
ren Voͤlckern/ Joh. Roſinus, und Thomas Dempſterus in An-
tiqvitalibus Rom. Lib. VI. p. m.
634. auch andere mehr an-
gezeuget haben.

Woher es denn auch kommen/ daß bey allen Voͤl-
ckern/ die Leichen aus den Augen der Menſchen geſchaffet
werden; Entweder durch Beerdigung der gantzen Coͤr-
per/ oder durch Verbrennung des Leibes/ und Verſen-
ckung der noch uͤberbliebenen etlichen Gebeine. Die Be-
raubung eines Begraͤbnuͤſſes/ und die Wieder ausgrabung
der Todten/ iſt allezeit ein Abſcheu und groſſe Straffe ge-
weſen/ wie hiervon Joh. Andreas Qvenſtedius in Tract. de
Sepultura Vet. c. I. II. & IV.
wie auch Roſinus in Antiqvit.
Rom.
erwieſen.

Es muß doch der Erden/ was der Erden: Und dem
Himmel/ was dem Himmel gehoͤret/ abgefuͤhret und zuge-
ſtellet werden. Und bleibt wohl bey dieſem Eckel derer
Sterblichen/ bey dem/ was ein gelehrter Mann davon ju-
dici
ret: Gleichwie man bißweilen die nach dem Tode be-
weine/ die man im Leben gehaſſet: Alſo entziehe man ſich
durch einen eckelnden Haß von den jenigen im Tode/ da
man ſie doch im Leben geliebet. Oder wie uns Seneca ein
Gleichnuͤß geben koͤnte: Vides accidere Pueris, illi qvos a-

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[7/0007] Abdanckungs-Rede. Grauen verurſachen koͤnte/ ihnen vergienge; Dahero die Egyptier und ihre Nachfolger/ ſo wohl Wohlriechende/ als der Faͤuinuͤß ſteurende Gewuͤrtze und Salben gebrauchet/ Aloe/ Myrꝛhen/ Caſia/ Saltz/ Wachs/ Honig/ Salpeter/ Gummi/ Aſpalten/ Socrotiner-Safft. Welches bey der Balſamirung Jacobs, Joh. Conrad Dieterici in Antiqvitatibus Biblicis p. m. 150. und von ande- ren Voͤlckern/ Joh. Roſinus, und Thomas Dempſterus in An- tiqvitalibus Rom. Lib. VI. p. m. 634. auch andere mehr an- gezeuget haben. Woher es denn auch kommen/ daß bey allen Voͤl- ckern/ die Leichen aus den Augen der Menſchen geſchaffet werden; Entweder durch Beerdigung der gantzen Coͤr- per/ oder durch Verbrennung des Leibes/ und Verſen- ckung der noch uͤberbliebenen etlichen Gebeine. Die Be- raubung eines Begraͤbnuͤſſes/ und die Wieder ausgrabung der Todten/ iſt allezeit ein Abſcheu und groſſe Straffe ge- weſen/ wie hiervon Joh. Andreas Qvenſtedius in Tract. de Sepultura Vet. c. I. II. & IV. wie auch Roſinus in Antiqvit. Rom. erwieſen. Es muß doch der Erden/ was der Erden: Und dem Himmel/ was dem Himmel gehoͤret/ abgefuͤhret und zuge- ſtellet werden. Und bleibt wohl bey dieſem Eckel derer Sterblichen/ bey dem/ was ein gelehrter Mann davon ju- diciret: Gleichwie man bißweilen die nach dem Tode be- weine/ die man im Leben gehaſſet: Alſo entziehe man ſich durch einen eckelnden Haß von den jenigen im Tode/ da man ſie doch im Leben geliebet. Oder wie uns Seneca ein Gleichnuͤß geben koͤnte: Vides accidere Pueris, illi qvos a- mant

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Zitationshilfe: Klepperbein, Vertraugott: Den Todt im Leben Und das Leben im Tode. Schlichtingsheim (Oder), 1693, S. 7. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/359522/7>, abgerufen am 04.12.2022.