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Klepperbein, Vertraugott: Den Todt im Leben Und das Leben im Tode. Schlichtingsheim (Oder), 1693.

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Abdanckungs-Rede.
mant, qvibus assveverunt, cum qvibus ludunt, si personatos
vident, expavescunt.
So ziehen Sterbende gleichsam ein
anderes Kleid an/ das uns furchtsam machet. Es ist aber
höchlich zu verwundern/ daß etliche/ wo nicht alle/ eine
solche Alteration über den Todten empfinden/ und nicht
einen Eckel an der Sünde haben/ als der Mutter des To-
des/ oder in genauer Untersuchung ihrer selbst/ von sich
einen Abscheu tragen/ da sie diß/ was Sie in Todten oder
Sterbenden für abscheulich halten/ Sie selber an ihrem
sterblichen Cörper alle Tage haben/ und bey sich tragen/
in dem Sie des Tages bey gehendem Leibe den Tod zum
Gefährten/ und des Nachts zu einem Beyschläffer haben:
Und da also der Tod im Leben des Menschen ist/ könte ein
Lebendiger/ vor sich selbst/ oder vor andern noch Lebendi-
gen sich entsetzen. Die verschwundenen Lebens-Tage/ und
die von Jugend auff zerbrechliche Hütte des schwachen
Leibes/ der numehro zur Ruhe kommen/ der Weyland
Hoch- und Wohl-Edel-Gebohrnen/ Hoch-
Sitt- und Tugend-belobten Frauen/ Fr.

MARIANA von Blaubitzin/ gebohrnen
von Stoschin.
Des Hoch- und Wohl-Edel-
Gebohrnen Ritters/ und Herren/ Herren
Hanß George von Glaubitz/ Erb-Herrens
auf Dalckau/ Baunau/ und Großwirbitz/

als itzo Hoch-betrübten Herren Wittwers im Leben Ge-

liebete/

Abdanckungs-Rede.
mant, qvibus asſveverunt, cum qvibus ludunt, ſi perſonatos
vident, expaveſcunt.
So ziehen Sterbende gleichſam ein
anderes Kleid an/ das uns furchtſam machet. Es iſt aber
hoͤchlich zu verwundern/ daß etliche/ wo nicht alle/ eine
ſolche Alteration uͤber den Todten empfinden/ und nicht
einen Eckel an der Suͤnde haben/ als der Mutter des To-
des/ oder in genauer Unterſuchung ihrer ſelbſt/ von ſich
einen Abſcheu tragen/ da ſie diß/ was Sie in Todten oder
Sterbenden fuͤr abſcheulich halten/ Sie ſelber an ihrem
ſterblichen Coͤrper alle Tage haben/ und bey ſich tragen/
in dem Sie des Tages bey gehendem Leibe den Tod zum
Gefaͤhrten/ und des Nachts zu einem Beyſchlaͤffer haben:
Und da alſo der Tod im Leben des Menſchen iſt/ koͤnte ein
Lebendiger/ vor ſich ſelbſt/ oder vor andern noch Lebendi-
gen ſich entſetzen. Die verſchwundenen Lebens-Tage/ und
die von Jugend auff zerbrechliche Huͤtte des ſchwachen
Leibes/ der numehro zur Ruhe kommen/ der Weyland
Hoch- und Wohl-Edel-Gebohrnen/ Hoch-
Sitt- und Tugend-belobten Frauen/ Fr.

MARIANA von Blaubitzin/ gebohrnen
von Stoſchin.
Des Hoch- und Wohl-Edel-
Gebohrnen Ritters/ und Herꝛen/ Herꝛen
Hanß George von Glaubitz/ Erb-Herꝛens
auf Dalckau/ Baunau/ und Großwirbitz/

als itzo Hoch-betruͤbten Herꝛen Wittwers im Leben Ge-

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[8/0008] Abdanckungs-Rede. mant, qvibus asſveverunt, cum qvibus ludunt, ſi perſonatos vident, expaveſcunt. So ziehen Sterbende gleichſam ein anderes Kleid an/ das uns furchtſam machet. Es iſt aber hoͤchlich zu verwundern/ daß etliche/ wo nicht alle/ eine ſolche Alteration uͤber den Todten empfinden/ und nicht einen Eckel an der Suͤnde haben/ als der Mutter des To- des/ oder in genauer Unterſuchung ihrer ſelbſt/ von ſich einen Abſcheu tragen/ da ſie diß/ was Sie in Todten oder Sterbenden fuͤr abſcheulich halten/ Sie ſelber an ihrem ſterblichen Coͤrper alle Tage haben/ und bey ſich tragen/ in dem Sie des Tages bey gehendem Leibe den Tod zum Gefaͤhrten/ und des Nachts zu einem Beyſchlaͤffer haben: Und da alſo der Tod im Leben des Menſchen iſt/ koͤnte ein Lebendiger/ vor ſich ſelbſt/ oder vor andern noch Lebendi- gen ſich entſetzen. Die verſchwundenen Lebens-Tage/ und die von Jugend auff zerbrechliche Huͤtte des ſchwachen Leibes/ der numehro zur Ruhe kommen/ der Weyland Hoch- und Wohl-Edel-Gebohrnen/ Hoch- Sitt- und Tugend-belobten Frauen/ Fr. MARIANA von Blaubitzin/ gebohrnen von Stoſchin. Des Hoch- und Wohl-Edel- Gebohrnen Ritters/ und Herꝛen/ Herꝛen Hanß George von Glaubitz/ Erb-Herꝛens auf Dalckau/ Baunau/ und Großwirbitz/ als itzo Hoch-betruͤbten Herꝛen Wittwers im Leben Ge- liebete/

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Zitationshilfe: Klepperbein, Vertraugott: Den Todt im Leben Und das Leben im Tode. Schlichtingsheim (Oder), 1693, S. 8. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/359522/8>, abgerufen am 04.12.2022.