den oben erwähnten Formen (Modellen), mittels deren Ihr so viel machen könnt, wie Ihr wollt. Sehet auch darauf, dass Ihr in der Werkstatt einen oder zwei gute Blasebälge habt oder auf andere Art einen kräftigen, anhaltenden Wind erzeugt. Den Schmelztiegel macht aus Kieselerde oder einem andern Steine, der nicht schmilzt, von runder Form, 11/2 Elle tief, 3/4 breit, je nachdem, mit mehreren Öffnungen ungleich tief, damit der Wind leicht einströmen kann, und eine niedrigere am Boden zum Ausfliessen der Masse in die Formen. Ist der Tiegel gut zugerichtet, mit Gestübbe ausgeschlagen, wie es schon früher (beim Bronzeguss) beschrieben wurde, so füllt ihn, wenn Ihr ihn brauchen wollt, mit Kohlen von Kastanien oder Hainbuchen und zwar möglichst hoch, bis über den Rand; um ihn zu erhöhen, setzt man einige Steine darum, um die Kohlen zusammenzuhalten, dann giebt man, nachdem man angezündet hat, Wind. Sind die Kohlen in Glut, so setzt man nach und nach mittels einer Schaufel das Eisen, welches eingeschmolzen werden soll, darauf. Auf diese Weise wird es Euch gelingen, es flüssig zu machen. Auch ist zu beachten, dass man die Masse mit einer Stange lüftet und von der Form hebt, bis sie flüssig und von erdigen Bestand- teilen gereinigt sei. Auch muss ein Ablauf von Eisen angebracht werden, so dass, wenn das Stichloch am Tiegel geöffnet ist, das ge- schmolzene Eisen zu den Kugelformen geleitet wird. Die Formen sind paarweise herbeizutragen, oder so zurecht zu stellen, dass das flüssige Eisen hinein läuft. Auf diese Weise macht man die Kugeln, die bei der Artillerie gebraucht werden.
Es ist wahr, dass manche die Tiegel in anderer Weise machen, auch dass einige, um das Eisen flüssiger zu machen, Spiessglanz zusetzen, andere Kupfer, Arsenik oder Risa gallo; aber nach meiner Meinung werdet Ihr es dadurch, da dies von seiner Natur abweicht, nur viel zerbrechlicher machen.
Man kann die Kugeln auch mit dem Hammer machen, namentlich für Arkebusen und Musketen, indem man sie aus einem vierkantigen Stab in einer gewöhnlichen Schmiede ausschmiedet. Man macht in einem kleinen Amboss eine halbe Rundung (Gesenk) und einen ent- sprechenden Setzhammer, dann heizt man das Eisen gut aus, hämmert es zwischen Amboss und Setzhammer, indem man es oft dreht, wodurch man es ganz rund bringt, dann fasst man es mit der Zange und ent- fernt die Naht mit dem Meissel.
Auf diese Art habe ich sehr schöne Kugeln machen sehen, und waren diese glänzender und schöner glatt als diejenigen, die in der Gussform gemacht waren, überdies sind sie nicht zerbrechlich, indem
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Eisenguſs.
den oben erwähnten Formen (Modellen), mittels deren Ihr so viel machen könnt, wie Ihr wollt. Sehet auch darauf, daſs Ihr in der Werkstatt einen oder zwei gute Blasebälge habt oder auf andere Art einen kräftigen, anhaltenden Wind erzeugt. Den Schmelztiegel macht aus Kieselerde oder einem andern Steine, der nicht schmilzt, von runder Form, 1½ Elle tief, ¾ breit, je nachdem, mit mehreren Öffnungen ungleich tief, damit der Wind leicht einströmen kann, und eine niedrigere am Boden zum Ausflieſsen der Masse in die Formen. Ist der Tiegel gut zugerichtet, mit Gestübbe ausgeschlagen, wie es schon früher (beim Bronzeguſs) beschrieben wurde, so füllt ihn, wenn Ihr ihn brauchen wollt, mit Kohlen von Kastanien oder Hainbuchen und zwar möglichst hoch, bis über den Rand; um ihn zu erhöhen, setzt man einige Steine darum, um die Kohlen zusammenzuhalten, dann giebt man, nachdem man angezündet hat, Wind. Sind die Kohlen in Glut, so setzt man nach und nach mittels einer Schaufel das Eisen, welches eingeschmolzen werden soll, darauf. Auf diese Weise wird es Euch gelingen, es flüssig zu machen. Auch ist zu beachten, daſs man die Masse mit einer Stange lüftet und von der Form hebt, bis sie flüssig und von erdigen Bestand- teilen gereinigt sei. Auch muſs ein Ablauf von Eisen angebracht werden, so daſs, wenn das Stichloch am Tiegel geöffnet ist, das ge- schmolzene Eisen zu den Kugelformen geleitet wird. Die Formen sind paarweise herbeizutragen, oder so zurecht zu stellen, daſs das flüssige Eisen hinein läuft. Auf diese Weise macht man die Kugeln, die bei der Artillerie gebraucht werden.
Es ist wahr, daſs manche die Tiegel in anderer Weise machen, auch daſs einige, um das Eisen flüssiger zu machen, Spieſsglanz zusetzen, andere Kupfer, Arsenik oder Risa gallo; aber nach meiner Meinung werdet Ihr es dadurch, da dies von seiner Natur abweicht, nur viel zerbrechlicher machen.
Man kann die Kugeln auch mit dem Hammer machen, namentlich für Arkebusen und Musketen, indem man sie aus einem vierkantigen Stab in einer gewöhnlichen Schmiede ausschmiedet. Man macht in einem kleinen Amboſs eine halbe Rundung (Gesenk) und einen ent- sprechenden Setzhammer, dann heizt man das Eisen gut aus, hämmert es zwischen Amboſs und Setzhammer, indem man es oft dreht, wodurch man es ganz rund bringt, dann faſst man es mit der Zange und ent- fernt die Naht mit dem Meiſsel.
Auf diese Art habe ich sehr schöne Kugeln machen sehen, und waren diese glänzender und schöner glatt als diejenigen, die in der Guſsform gemacht waren, überdies sind sie nicht zerbrechlich, indem
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Eisenguſs.
den oben erwähnten Formen (Modellen), mittels deren Ihr so viel machen
könnt, wie Ihr wollt. Sehet auch darauf, daſs Ihr in der Werkstatt
einen oder zwei gute Blasebälge habt oder auf andere Art einen
kräftigen, anhaltenden Wind erzeugt. Den Schmelztiegel macht aus
Kieselerde oder einem andern Steine, der nicht schmilzt, von runder
Form, 1½ Elle tief, ¾ breit, je nachdem, mit mehreren Öffnungen
ungleich tief, damit der Wind leicht einströmen kann, und eine niedrigere
am Boden zum Ausflieſsen der Masse in die Formen. Ist der Tiegel
gut zugerichtet, mit Gestübbe ausgeschlagen, wie es schon früher (beim
Bronzeguſs) beschrieben wurde, so füllt ihn, wenn Ihr ihn brauchen
wollt, mit Kohlen von Kastanien oder Hainbuchen und zwar möglichst
hoch, bis über den Rand; um ihn zu erhöhen, setzt man einige Steine
darum, um die Kohlen zusammenzuhalten, dann giebt man, nachdem
man angezündet hat, Wind. Sind die Kohlen in Glut, so setzt man
nach und nach mittels einer Schaufel das Eisen, welches eingeschmolzen
werden soll, darauf. Auf diese Weise wird es Euch gelingen, es flüssig
zu machen. Auch ist zu beachten, daſs man die Masse mit einer Stange
lüftet und von der Form hebt, bis sie flüssig und von erdigen Bestand-
teilen gereinigt sei. Auch muſs ein Ablauf von Eisen angebracht
werden, so daſs, wenn das Stichloch am Tiegel geöffnet ist, das ge-
schmolzene Eisen zu den Kugelformen geleitet wird. Die Formen sind
paarweise herbeizutragen, oder so zurecht zu stellen, daſs das flüssige
Eisen hinein läuft. Auf diese Weise macht man die Kugeln, die bei
der Artillerie gebraucht werden.
Es ist wahr, daſs manche die Tiegel in anderer Weise machen,
auch daſs einige, um das Eisen flüssiger zu machen, Spieſsglanz zusetzen,
andere Kupfer, Arsenik oder Risa gallo; aber nach meiner Meinung
werdet Ihr es dadurch, da dies von seiner Natur abweicht, nur viel
zerbrechlicher machen.
Man kann die Kugeln auch mit dem Hammer machen, namentlich
für Arkebusen und Musketen, indem man sie aus einem vierkantigen
Stab in einer gewöhnlichen Schmiede ausschmiedet. Man macht in
einem kleinen Amboſs eine halbe Rundung (Gesenk) und einen ent-
sprechenden Setzhammer, dann heizt man das Eisen gut aus, hämmert
es zwischen Amboſs und Setzhammer, indem man es oft dreht, wodurch
man es ganz rund bringt, dann faſst man es mit der Zange und ent-
fernt die Naht mit dem Meiſsel.
Auf diese Art habe ich sehr schöne Kugeln machen sehen, und
waren diese glänzender und schöner glatt als diejenigen, die in der
Guſsform gemacht waren, überdies sind sie nicht zerbrechlich, indem
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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 1: Von der ältesten Zeit bis um das Jahr 1500 n. Chr. Braunschweig, 1884, S. 947. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen01_1884/969>, abgerufen am 21.11.2024.
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