per Waag, wogegen sie nicht mehr als 1 Heller Nutzen auf das Pfund nehmen durften. Das Eisen war sehr zähe. Zur Bericher Hütte gehörte noch ein Hammer zu Niedern-Werbe mit zwei Feuern und zur Rommershäuser Hütte zwei Hämmer mit drei Feuern in der Nähe.
Die Holzhäuser Hütte bei Homberg wurde ebenfalls von der Landesherrschaft betrieben, machte Roheisen, welches auf einem dabei liegenden Hammer mit zwei Feuern verfrischt wurde, und Gusswaren. Sie verschmolz Bohnerze.
Die Veckerhagener Hütte lag sechs Stunden südöstlich von Cassel, war auch eine Herrschaftshütte, die zumeist Gusswaren machte. Ihr Wasserrad war 16 Fuss hoch und 3 Fuss breit. Die Erze wurden geröstet. Der Hochofen war (1767) 18 Fuss hoch, die Form lag nur 14 Zoll über dem Boden. Es wurde in 24 Stunden zweimal ab- gestochen und 25 bis 30 Ctr. Eisen erzeugt. Die Hütte ging 40 bis 42 Wochen 1). Die Gusswaren gingen meist die Weser abwärts nach Bremen. Der Centner Roheisen kostete 1 Thlr., die Waag (= 120 Pfd.) Plattenöfen 21/2 Thlr. ausser Land. -- Der Lippoldsberger Hammer an der Schwülms erhielt sein Roheisen von der Veckerhagener und Homberger Hütte. Er hatte drei Frischfeuer, die nach Harzer Art zugestellt und betrieben wurden, und einen Blechschmiedeherd. Die Hämmer wogen 3, 4 und 7 Ctr. In fünf Stunden wurde eine Luppe von 2 bis 3 Ctr. gefrischt und ausgeschmiedet. Von 1200 Pfund Roh- eisen musste der Schmied 960 Pfund Stabeisen abliefern. Die Blech- schmiede mussten aus 120 Pfund oder 1 Waag Stabeisen 100 Pfund rein beschnittenes Blech liefern. Eine Waag Stabeisen wurde mit 3 bis 33/4 Thlr. bezahlt. 1000 Waag wurden im Lande verbraucht, 3000 Waag gingen nach Bremen, Hamburg und Amsterdam. Eine Zeitlang war auch Weissblech auf dem Lippoldsberger Eisenwerk gemacht worden.
Schmalkalden erholte sich nur teilweise von den schweren Bedrängnissen des 30jährigen Krieges. Dazu kam, dass das wichtigste Eisensteinlager, der Stahlberg, zum grossen Teil abgebaut war, so dass die Landesregierung durch eine Verordnung vom 14. Nov. 1726 die Förderung beschränken musste. Dagegen bemühten sich Gewerke und Regierung gemeinschaftlich, durch technische Verbesserungen die Eisenindustrie zu heben. Wie die natürlichen Verhältnisse, die Art der Erze und ihr Vorkommen grosse Ähnlichkeit mit denen in Steier- mark hatten, so hatte sich auch der Betrieb in ähnlicher Weise ent-
1)Cancrinus, Bergwerke in Hessen 1767, S. 50.
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Hessen und Thüringen.
per Waag, wogegen sie nicht mehr als 1 Heller Nutzen auf das Pfund nehmen durften. Das Eisen war sehr zähe. Zur Bericher Hütte gehörte noch ein Hammer zu Niedern-Werbe mit zwei Feuern und zur Rommershäuser Hütte zwei Hämmer mit drei Feuern in der Nähe.
Die Holzhäuser Hütte bei Homberg wurde ebenfalls von der Landesherrschaft betrieben, machte Roheisen, welches auf einem dabei liegenden Hammer mit zwei Feuern verfrischt wurde, und Guſswaren. Sie verschmolz Bohnerze.
Die Veckerhagener Hütte lag sechs Stunden südöstlich von Cassel, war auch eine Herrschaftshütte, die zumeist Guſswaren machte. Ihr Wasserrad war 16 Fuſs hoch und 3 Fuſs breit. Die Erze wurden geröstet. Der Hochofen war (1767) 18 Fuſs hoch, die Form lag nur 14 Zoll über dem Boden. Es wurde in 24 Stunden zweimal ab- gestochen und 25 bis 30 Ctr. Eisen erzeugt. Die Hütte ging 40 bis 42 Wochen 1). Die Guſswaren gingen meist die Weser abwärts nach Bremen. Der Centner Roheisen kostete 1 Thlr., die Waag (= 120 Pfd.) Plattenöfen 2½ Thlr. auſser Land. — Der Lippoldsberger Hammer an der Schwülms erhielt sein Roheisen von der Veckerhagener und Homberger Hütte. Er hatte drei Frischfeuer, die nach Harzer Art zugestellt und betrieben wurden, und einen Blechschmiedeherd. Die Hämmer wogen 3, 4 und 7 Ctr. In fünf Stunden wurde eine Luppe von 2 bis 3 Ctr. gefrischt und ausgeschmiedet. Von 1200 Pfund Roh- eisen muſste der Schmied 960 Pfund Stabeisen abliefern. Die Blech- schmiede muſsten aus 120 Pfund oder 1 Waag Stabeisen 100 Pfund rein beschnittenes Blech liefern. Eine Waag Stabeisen wurde mit 3 bis 3¾ Thlr. bezahlt. 1000 Waag wurden im Lande verbraucht, 3000 Waag gingen nach Bremen, Hamburg und Amsterdam. Eine Zeitlang war auch Weiſsblech auf dem Lippoldsberger Eisenwerk gemacht worden.
Schmalkalden erholte sich nur teilweise von den schweren Bedrängnissen des 30jährigen Krieges. Dazu kam, daſs das wichtigste Eisensteinlager, der Stahlberg, zum groſsen Teil abgebaut war, so daſs die Landesregierung durch eine Verordnung vom 14. Nov. 1726 die Förderung beschränken muſste. Dagegen bemühten sich Gewerke und Regierung gemeinschaftlich, durch technische Verbesserungen die Eisenindustrie zu heben. Wie die natürlichen Verhältnisse, die Art der Erze und ihr Vorkommen groſse Ähnlichkeit mit denen in Steier- mark hatten, so hatte sich auch der Betrieb in ähnlicher Weise ent-
1)Cancrinus, Bergwerke in Hessen 1767, S. 50.
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Hessen und Thüringen.
per Waag, wogegen sie nicht mehr als 1 Heller Nutzen auf das Pfund
nehmen durften. Das Eisen war sehr zähe. Zur Bericher Hütte
gehörte noch ein Hammer zu Niedern-Werbe mit zwei Feuern und
zur Rommershäuser Hütte zwei Hämmer mit drei Feuern in der
Nähe.
Die Holzhäuser Hütte bei Homberg wurde ebenfalls von der
Landesherrschaft betrieben, machte Roheisen, welches auf einem dabei
liegenden Hammer mit zwei Feuern verfrischt wurde, und Guſswaren.
Sie verschmolz Bohnerze.
Die Veckerhagener Hütte lag sechs Stunden südöstlich von Cassel,
war auch eine Herrschaftshütte, die zumeist Guſswaren machte. Ihr
Wasserrad war 16 Fuſs hoch und 3 Fuſs breit. Die Erze wurden
geröstet. Der Hochofen war (1767) 18 Fuſs hoch, die Form lag nur
14 Zoll über dem Boden. Es wurde in 24 Stunden zweimal ab-
gestochen und 25 bis 30 Ctr. Eisen erzeugt. Die Hütte ging 40
bis 42 Wochen 1). Die Guſswaren gingen meist die Weser abwärts nach
Bremen. Der Centner Roheisen kostete 1 Thlr., die Waag (= 120 Pfd.)
Plattenöfen 2½ Thlr. auſser Land. — Der Lippoldsberger Hammer
an der Schwülms erhielt sein Roheisen von der Veckerhagener und
Homberger Hütte. Er hatte drei Frischfeuer, die nach Harzer Art
zugestellt und betrieben wurden, und einen Blechschmiedeherd. Die
Hämmer wogen 3, 4 und 7 Ctr. In fünf Stunden wurde eine Luppe
von 2 bis 3 Ctr. gefrischt und ausgeschmiedet. Von 1200 Pfund Roh-
eisen muſste der Schmied 960 Pfund Stabeisen abliefern. Die Blech-
schmiede muſsten aus 120 Pfund oder 1 Waag Stabeisen 100 Pfund
rein beschnittenes Blech liefern. Eine Waag Stabeisen wurde mit 3
bis 3¾ Thlr. bezahlt. 1000 Waag wurden im Lande verbraucht, 3000 Waag
gingen nach Bremen, Hamburg und Amsterdam. Eine Zeitlang war
auch Weiſsblech auf dem Lippoldsberger Eisenwerk gemacht worden.
Schmalkalden erholte sich nur teilweise von den schweren
Bedrängnissen des 30jährigen Krieges. Dazu kam, daſs das wichtigste
Eisensteinlager, der Stahlberg, zum groſsen Teil abgebaut war, so
daſs die Landesregierung durch eine Verordnung vom 14. Nov. 1726
die Förderung beschränken muſste. Dagegen bemühten sich Gewerke
und Regierung gemeinschaftlich, durch technische Verbesserungen die
Eisenindustrie zu heben. Wie die natürlichen Verhältnisse, die Art
der Erze und ihr Vorkommen groſse Ähnlichkeit mit denen in Steier-
mark hatten, so hatte sich auch der Betrieb in ähnlicher Weise ent-
1) Cancrinus, Bergwerke in Hessen 1767, S. 50.
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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 3: Das XVIII. Jahrhundert. Braunschweig, 1897, S. 851. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen03_1897/865>, abgerufen am 22.11.2024.
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