sen von Enkhuizen, sowohl für seinen, dem Schiffe geleisteten Beistand, als wegen un- verzagter Daranwagung seines Leibes und Lebens, die volle Summe von Eintausend fünfhundert Gulden Holl. baar auszuzahlen; überdem aber solange, bis diese Zahlung wirklich geleistet worden, für jeden Tag eine Buße von zwei Gulden zu entrichten. Alles von Rechts wegen.
Es war natürlich, daß ich schlechte Lust bezeugte, mich in diesem, alle Gerechtigkeit verhöhnenden Ausspruche zu beruhigen. Viel- mehr berief ich mich auf meinen, mit dem alten Schelme ausdrücklich getroffenen Ver- gleich, und wollte die Sache an vier gewählte Schiedsrichter und Obmänner gebracht wissen. Allein man bedeutete mich, mein Gegenpart habe jenen Accord nicht mit unterzeichnet, daher demselben auch alle gesetzliche Gültig- keit ermangele. Wolle ich jedoch mich in die Sentenz des Gerichts nicht fügen, so bleibe mir allerdings unbenommen, an den Hof von Holland zu appelliren.
Jn der That aber kannte ich dies Gericht, das sich so unvermuthet zum Herrn meines Beutels aufwarf, gar noch nicht einmal; und es schien mir doch der Mühe werth, deshalb einwenig genauer nachzufragen. Auch blieben mir die Herren die Antwort hierauf nicht schuldig; und so erfuhr ich denn, daß die
ſen von Enkhuizen, ſowohl fuͤr ſeinen, dem Schiffe geleiſteten Beiſtand, als wegen un- verzagter Daranwagung ſeines Leibes und Lebens, die volle Summe von Eintauſend fuͤnfhundert Gulden Holl. baar auszuzahlen; uͤberdem aber ſolange, bis dieſe Zahlung wirklich geleiſtet worden, fuͤr jeden Tag eine Buße von zwei Gulden zu entrichten. Alles von Rechts wegen.
Es war natuͤrlich, daß ich ſchlechte Luſt bezeugte, mich in dieſem, alle Gerechtigkeit verhoͤhnenden Ausſpruche zu beruhigen. Viel- mehr berief ich mich auf meinen, mit dem alten Schelme ausdruͤcklich getroffenen Ver- gleich, und wollte die Sache an vier gewaͤhlte Schiedsrichter und Obmaͤnner gebracht wiſſen. Allein man bedeutete mich, mein Gegenpart habe jenen Accord nicht mit unterzeichnet, daher demſelben auch alle geſetzliche Guͤltig- keit ermangele. Wolle ich jedoch mich in die Sentenz des Gerichts nicht fuͤgen, ſo bleibe mir allerdings unbenommen, an den Hof von Holland zu appelliren.
Jn der That aber kannte ich dies Gericht, das ſich ſo unvermuthet zum Herrn meines Beutels aufwarf, gar noch nicht einmal; und es ſchien mir doch der Muͤhe werth, deshalb einwenig genauer nachzufragen. Auch blieben mir die Herren die Antwort hierauf nicht ſchuldig; und ſo erfuhr ich denn, daß die
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ſen von Enkhuizen, ſowohl fuͤr ſeinen, dem
Schiffe geleiſteten Beiſtand, als wegen un-
verzagter Daranwagung ſeines Leibes und
Lebens, die volle Summe von Eintauſend
fuͤnfhundert Gulden Holl. baar auszuzahlen;
uͤberdem aber ſolange, bis dieſe Zahlung
wirklich geleiſtet worden, fuͤr jeden Tag eine
Buße von zwei Gulden zu entrichten. Alles
von Rechts wegen.
Es war natuͤrlich, daß ich ſchlechte Luſt
bezeugte, mich in dieſem, alle Gerechtigkeit
verhoͤhnenden Ausſpruche zu beruhigen. Viel-
mehr berief ich mich auf meinen, mit dem
alten Schelme ausdruͤcklich getroffenen Ver-
gleich, und wollte die Sache an vier gewaͤhlte
Schiedsrichter und Obmaͤnner gebracht wiſſen.
Allein man bedeutete mich, mein Gegenpart
habe jenen Accord nicht mit unterzeichnet,
daher demſelben auch alle geſetzliche Guͤltig-
keit ermangele. Wolle ich jedoch mich in die
Sentenz des Gerichts nicht fuͤgen, ſo bleibe
mir allerdings unbenommen, an den Hof
von Holland zu appelliren.
Jn der That aber kannte ich dies Gericht,
das ſich ſo unvermuthet zum Herrn meines
Beutels aufwarf, gar noch nicht einmal; und
es ſchien mir doch der Muͤhe werth, deshalb
einwenig genauer nachzufragen. Auch blieben
mir die Herren die Antwort hierauf nicht
ſchuldig; und ſo erfuhr ich denn, daß die
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Nettelbeck, Joachim: Joachim Nettelbeck, Bürger zu Colberg. Bd. 2. Hrsg. v. Johann Christian Ludwig Haken. Leipzig, 1821, S. 195. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nettelbeck_lebensbeschreibung02_1821/199>, abgerufen am 16.02.2025.
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