geboten wurden. Das feste Schloss wurde vortrefflich vertheidigt. Die Schlacht, welche am 9. Juni 1615 um seinen ferneren Besitz stattfand, war ausserordentlich blutig, wenn auch die Angabe, dass dabei gegen 100000 Menschen ihr Leben verloren, etwas übertreiben mag. Schon schien den Belagerten der Sieg zuzufallen, da ging ein Theil des Schlosses in Flammen auf, denen Tausende zum Opfer fielen, so dass der Kampf mit einer völligen Niederlage der Angegriffenen endete. Von Hideyori und seiner Mutter fand man keine Spur mehr und nimmt daher an, dass beide sich das Leben nahmen und dann verbrannten.
Da von den exilierten Priestern und Mönchen heimlich manche wieder zurückkehrten, andere das Land noch gar nicht verlassen hatten, wurde 1617 von Hidetada die Todesstrafe ausgesprochen gegen jeden fremden Priester, der noch im Lande gefunden werden sollte. Die Berichte der Jesuiten sind voll von Details über die ausgesuchten Qualen, welchen man die Christen nun aussetzte, und den Heroismus, mit welchem die meisten dieselben erduldeten. Andere Nachrichten aus jener Zeit, denen man keine Parteifärbung zuschreiben kann, be- stätigen nur, was jene mittheilen. So berichtet Capt. Cocks, wel- cher 1619 im Dienste der East-India-Company Japan besuchte, darüber Folgendes:
"Die Verfolgung in diesem Lande, welche früher nicht weiter sich erstreckte als auf Verbannung und Verlust der bürgerlichen und religiösen Freiheiten, ist seitdem bis zu den strengsten Mitteln der Körperstrafe gesteigert worden. Die Christen haben so verschiedene Qualen und Todesarten erduldet, wie jene in den ersten Verfolgungen der christlichen Aera. Ihre Standhaftigkeit ist so gross gewesen, dass die Gegner eher müde wurden, Strafen zu verhängen, als jene, die Wirkungen ihres Zornes zu erdulden. Sehr wenige, wenn welche überhaupt, entsagten ihrem Glauben; die scheusslichsten Formen, in welchen der Tod erschien (durch die Erfindung ihrer Gegner), konnten sie nicht entmuthigen, noch vermochten alle Schrecken einer feier- lichen Execution jene Geistesstärke zu besiegen, mit denen sie durch ihre Leiden zu gehen schienen. Sie machten sogar ihre Kinder zu Märtyrern mit sich und trugen sie in den Armen auf den Scheiter- haufen, indem sie vorzogen, dieselben den Flammen zu übergeben, statt sie den Bonzen zurückzulassen, damit sie im heidnischen Glauben erzogen würden. Alle Kirchen, welche der letzte Sturm noch stehen gelassen hatte, wurden von diesen niedergeworfen und zerstört und heidnische Pagoden über ihren Ruinen errichtet".
Im nämlichen Jahre (1617) beschränkte Hidetada den auswärtigen
I. Geschichte des japanischen Volkes.
geboten wurden. Das feste Schloss wurde vortrefflich vertheidigt. Die Schlacht, welche am 9. Juni 1615 um seinen ferneren Besitz stattfand, war ausserordentlich blutig, wenn auch die Angabe, dass dabei gegen 100000 Menschen ihr Leben verloren, etwas übertreiben mag. Schon schien den Belagerten der Sieg zuzufallen, da ging ein Theil des Schlosses in Flammen auf, denen Tausende zum Opfer fielen, so dass der Kampf mit einer völligen Niederlage der Angegriffenen endete. Von Hideyori und seiner Mutter fand man keine Spur mehr und nimmt daher an, dass beide sich das Leben nahmen und dann verbrannten.
Da von den exilierten Priestern und Mönchen heimlich manche wieder zurückkehrten, andere das Land noch gar nicht verlassen hatten, wurde 1617 von Hidetada die Todesstrafe ausgesprochen gegen jeden fremden Priester, der noch im Lande gefunden werden sollte. Die Berichte der Jesuiten sind voll von Details über die ausgesuchten Qualen, welchen man die Christen nun aussetzte, und den Heroismus, mit welchem die meisten dieselben erduldeten. Andere Nachrichten aus jener Zeit, denen man keine Parteifärbung zuschreiben kann, be- stätigen nur, was jene mittheilen. So berichtet Capt. Cocks, wel- cher 1619 im Dienste der East-India-Company Japan besuchte, darüber Folgendes:
»Die Verfolgung in diesem Lande, welche früher nicht weiter sich erstreckte als auf Verbannung und Verlust der bürgerlichen und religiösen Freiheiten, ist seitdem bis zu den strengsten Mitteln der Körperstrafe gesteigert worden. Die Christen haben so verschiedene Qualen und Todesarten erduldet, wie jene in den ersten Verfolgungen der christlichen Aera. Ihre Standhaftigkeit ist so gross gewesen, dass die Gegner eher müde wurden, Strafen zu verhängen, als jene, die Wirkungen ihres Zornes zu erdulden. Sehr wenige, wenn welche überhaupt, entsagten ihrem Glauben; die scheusslichsten Formen, in welchen der Tod erschien (durch die Erfindung ihrer Gegner), konnten sie nicht entmuthigen, noch vermochten alle Schrecken einer feier- lichen Execution jene Geistesstärke zu besiegen, mit denen sie durch ihre Leiden zu gehen schienen. Sie machten sogar ihre Kinder zu Märtyrern mit sich und trugen sie in den Armen auf den Scheiter- haufen, indem sie vorzogen, dieselben den Flammen zu übergeben, statt sie den Bonzen zurückzulassen, damit sie im heidnischen Glauben erzogen würden. Alle Kirchen, welche der letzte Sturm noch stehen gelassen hatte, wurden von diesen niedergeworfen und zerstört und heidnische Pagoden über ihren Ruinen errichtet«.
Im nämlichen Jahre (1617) beschränkte Hidetada den auswärtigen
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I. Geschichte des japanischen Volkes.
geboten wurden. Das feste Schloss wurde vortrefflich vertheidigt.
Die Schlacht, welche am 9. Juni 1615 um seinen ferneren Besitz
stattfand, war ausserordentlich blutig, wenn auch die Angabe, dass
dabei gegen 100000 Menschen ihr Leben verloren, etwas übertreiben
mag. Schon schien den Belagerten der Sieg zuzufallen, da ging ein
Theil des Schlosses in Flammen auf, denen Tausende zum Opfer fielen,
so dass der Kampf mit einer völligen Niederlage der Angegriffenen
endete. Von Hideyori und seiner Mutter fand man keine Spur mehr
und nimmt daher an, dass beide sich das Leben nahmen und dann
verbrannten.
Da von den exilierten Priestern und Mönchen heimlich manche
wieder zurückkehrten, andere das Land noch gar nicht verlassen
hatten, wurde 1617 von Hidetada die Todesstrafe ausgesprochen gegen
jeden fremden Priester, der noch im Lande gefunden werden sollte.
Die Berichte der Jesuiten sind voll von Details über die ausgesuchten
Qualen, welchen man die Christen nun aussetzte, und den Heroismus,
mit welchem die meisten dieselben erduldeten. Andere Nachrichten
aus jener Zeit, denen man keine Parteifärbung zuschreiben kann, be-
stätigen nur, was jene mittheilen. So berichtet Capt. Cocks, wel-
cher 1619 im Dienste der East-India-Company Japan besuchte,
darüber Folgendes:
»Die Verfolgung in diesem Lande, welche früher nicht weiter
sich erstreckte als auf Verbannung und Verlust der bürgerlichen und
religiösen Freiheiten, ist seitdem bis zu den strengsten Mitteln der
Körperstrafe gesteigert worden. Die Christen haben so verschiedene
Qualen und Todesarten erduldet, wie jene in den ersten Verfolgungen
der christlichen Aera. Ihre Standhaftigkeit ist so gross gewesen,
dass die Gegner eher müde wurden, Strafen zu verhängen, als jene,
die Wirkungen ihres Zornes zu erdulden. Sehr wenige, wenn welche
überhaupt, entsagten ihrem Glauben; die scheusslichsten Formen, in
welchen der Tod erschien (durch die Erfindung ihrer Gegner), konnten
sie nicht entmuthigen, noch vermochten alle Schrecken einer feier-
lichen Execution jene Geistesstärke zu besiegen, mit denen sie durch
ihre Leiden zu gehen schienen. Sie machten sogar ihre Kinder zu
Märtyrern mit sich und trugen sie in den Armen auf den Scheiter-
haufen, indem sie vorzogen, dieselben den Flammen zu übergeben,
statt sie den Bonzen zurückzulassen, damit sie im heidnischen Glauben
erzogen würden. Alle Kirchen, welche der letzte Sturm noch stehen
gelassen hatte, wurden von diesen niedergeworfen und zerstört und
heidnische Pagoden über ihren Ruinen errichtet«.
Im nämlichen Jahre (1617) beschränkte Hidetada den auswärtigen
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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 1. Leipzig, 1881, S. 354. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan01_1881/380>, abgerufen am 22.11.2024.
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