erneuert wurde, ist nicht festgestellt, doch weiss man, dass z. B. Zacharias Wagenaer in 1659 und 1661 sie gab, ebenso, dass sie 1673 erfolgte.
Dass die Holländer (Oranda-jin, wie dieselben richtig, Akage, Rothhaar, oder Akaban, rothe Barbaren, wie sie verächtlich genannt wurden) diese sclavische Stellung mit allen Insulten, welche dieselbe begleiteten, geduldig ertrugen, muss gewiss auffallen. Man könnte geneigt sein, die Darstellung ihres Verhältnisses zu den Japanern, wie sie hier gegeben wurde, für Uebertreibung anzusehen, allein die Berichte der erwähnten Aerzte werden durch andere nur ergänzt und bestätigt. Zum Vergleiche lese man beispielsweise nur, was Krusen- stern im 1. Bande seiner Reise um die Welt, pag. 290 etc. nach eigenen Wahrnehmungen über die Insolenz der Japaner und die Ge- fügigkeit der Holländer mittheilt. Da tritt unter anderem Myn Heer van Doeff, der Resident, mit einem unverschämten japanischen Dolmetsch auf, und es erscheint auf der anderen Seite der Bugiyo oder Gouverneur. "Myn Heer Opperhooft", befiehlt nun der Dolmetsch, "complement bevor de Opper Baijo". Der Opperhooft (Director) ver- säumt nicht, sich gehorsamst tief zu verbeugen, aber sein Compliment wird von der anderen Seite nicht einmal durch ein gelindes Kopf- nicken erwidert *). Doch liessen die Japaner auch die Russen die Demüthigungen in vollem Maasse erdulden. Krusenstern schlägt die Leistungen der Holländer während ihres langen Verkehres mit Japan für die Navigation gering an und betont, dass die bedeutenden wissen- schaftlichen Arbeiten von fremden Aerzten in holländischem Dienste ausgingen. Ohne in dieser Beziehung zwischen Deutschen, beziehungs- weise Schweden und Holländern abwägen zu wollen, muss vor allem festgehalten werden, dass die holländische Compagnie den Aerzten E. Kaempfer (1690--1692), C. P. Thunberg (1775--1776) und Ph. Fr. von Siebold (1823--1829 und 1859--1861) doch die Ge- legenheit und Mittel an die Hand gab zu den Arbeiten, durch welche ihre Namen in der Geschichte der wissenschaftlichen Erforschung Japans so hoch stehen.
*) Der erwähnte Resident, Hendrik Doeff, muss sich jedoch in seiner wenig beneidenswerthen Stellung ganz wohl gefühlt haben, denn er behauptete sie von 1804--1817. In seinen "Herinneringen uit Japan" hat er jenen hier erwähnten Vorfall und wohl noch manchen ähnlichen vergessen. Er war auch der Autor eines grossen holländisch-japanischen Wörterbuches. Bei den Engländern steht derselbe in schlechtem Andenken, weil er 1808 die Japaner gegen den Phaeton unter Capitän Pellew aufhetzte, ja gern die Vernichtung des englischen Schiffes und seiner Besatzung gesehen hätte.
I. Geschichte des japanischen Volkes.
erneuert wurde, ist nicht festgestellt, doch weiss man, dass z. B. Zacharias Wagenaer in 1659 und 1661 sie gab, ebenso, dass sie 1673 erfolgte.
Dass die Holländer (Oranda-jin, wie dieselben richtig, Akage, Rothhaar, oder Akaban, rothe Barbaren, wie sie verächtlich genannt wurden) diese sclavische Stellung mit allen Insulten, welche dieselbe begleiteten, geduldig ertrugen, muss gewiss auffallen. Man könnte geneigt sein, die Darstellung ihres Verhältnisses zu den Japanern, wie sie hier gegeben wurde, für Uebertreibung anzusehen, allein die Berichte der erwähnten Aerzte werden durch andere nur ergänzt und bestätigt. Zum Vergleiche lese man beispielsweise nur, was Krusen- stern im 1. Bande seiner Reise um die Welt, pag. 290 etc. nach eigenen Wahrnehmungen über die Insolenz der Japaner und die Ge- fügigkeit der Holländer mittheilt. Da tritt unter anderem Myn Heer van Doeff, der Resident, mit einem unverschämten japanischen Dolmetsch auf, und es erscheint auf der anderen Seite der Bugiyo oder Gouverneur. »Myn Heer Opperhooft«, befiehlt nun der Dolmetsch, »complement bevor de Opper Baijô«. Der Opperhooft (Director) ver- säumt nicht, sich gehorsamst tief zu verbeugen, aber sein Compliment wird von der anderen Seite nicht einmal durch ein gelindes Kopf- nicken erwidert *). Doch liessen die Japaner auch die Russen die Demüthigungen in vollem Maasse erdulden. Krusenstern schlägt die Leistungen der Holländer während ihres langen Verkehres mit Japan für die Navigation gering an und betont, dass die bedeutenden wissen- schaftlichen Arbeiten von fremden Aerzten in holländischem Dienste ausgingen. Ohne in dieser Beziehung zwischen Deutschen, beziehungs- weise Schweden und Holländern abwägen zu wollen, muss vor allem festgehalten werden, dass die holländische Compagnie den Aerzten E. Kaempfer (1690—1692), C. P. Thunberg (1775—1776) und Ph. Fr. von Siebold (1823—1829 und 1859—1861) doch die Ge- legenheit und Mittel an die Hand gab zu den Arbeiten, durch welche ihre Namen in der Geschichte der wissenschaftlichen Erforschung Japans so hoch stehen.
*) Der erwähnte Resident, Hendrik Doeff, muss sich jedoch in seiner wenig beneidenswerthen Stellung ganz wohl gefühlt haben, denn er behauptete sie von 1804—1817. In seinen »Herinneringen uit Japan« hat er jenen hier erwähnten Vorfall und wohl noch manchen ähnlichen vergessen. Er war auch der Autor eines grossen holländisch-japanischen Wörterbuches. Bei den Engländern steht derselbe in schlechtem Andenken, weil er 1808 die Japaner gegen den Phaëton unter Capitän Pellew aufhetzte, ja gern die Vernichtung des englischen Schiffes und seiner Besatzung gesehen hätte.
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I. Geschichte des japanischen Volkes.
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Zacharias Wagenaer in 1659 und 1661 sie gab, ebenso, dass sie
1673 erfolgte.
Dass die Holländer (Oranda-jin, wie dieselben richtig, Akage,
Rothhaar, oder Akaban, rothe Barbaren, wie sie verächtlich genannt
wurden) diese sclavische Stellung mit allen Insulten, welche dieselbe
begleiteten, geduldig ertrugen, muss gewiss auffallen. Man könnte
geneigt sein, die Darstellung ihres Verhältnisses zu den Japanern,
wie sie hier gegeben wurde, für Uebertreibung anzusehen, allein die
Berichte der erwähnten Aerzte werden durch andere nur ergänzt und
bestätigt. Zum Vergleiche lese man beispielsweise nur, was Krusen-
stern im 1. Bande seiner Reise um die Welt, pag. 290 etc. nach
eigenen Wahrnehmungen über die Insolenz der Japaner und die Ge-
fügigkeit der Holländer mittheilt. Da tritt unter anderem Myn Heer
van Doeff, der Resident, mit einem unverschämten japanischen
Dolmetsch auf, und es erscheint auf der anderen Seite der Bugiyo
oder Gouverneur. »Myn Heer Opperhooft«, befiehlt nun der Dolmetsch,
»complement bevor de Opper Baijô«. Der Opperhooft (Director) ver-
säumt nicht, sich gehorsamst tief zu verbeugen, aber sein Compliment
wird von der anderen Seite nicht einmal durch ein gelindes Kopf-
nicken erwidert *). Doch liessen die Japaner auch die Russen die
Demüthigungen in vollem Maasse erdulden. Krusenstern schlägt die
Leistungen der Holländer während ihres langen Verkehres mit Japan
für die Navigation gering an und betont, dass die bedeutenden wissen-
schaftlichen Arbeiten von fremden Aerzten in holländischem Dienste
ausgingen. Ohne in dieser Beziehung zwischen Deutschen, beziehungs-
weise Schweden und Holländern abwägen zu wollen, muss vor allem
festgehalten werden, dass die holländische Compagnie den Aerzten
E. Kaempfer (1690—1692), C. P. Thunberg (1775—1776) und
Ph. Fr. von Siebold (1823—1829 und 1859—1861) doch die Ge-
legenheit und Mittel an die Hand gab zu den Arbeiten, durch welche
ihre Namen in der Geschichte der wissenschaftlichen Erforschung
Japans so hoch stehen.
*) Der erwähnte Resident, Hendrik Doeff, muss sich jedoch in seiner wenig
beneidenswerthen Stellung ganz wohl gefühlt haben, denn er behauptete sie von
1804—1817. In seinen »Herinneringen uit Japan« hat er jenen hier erwähnten
Vorfall und wohl noch manchen ähnlichen vergessen. Er war auch der Autor
eines grossen holländisch-japanischen Wörterbuches. Bei den Engländern steht
derselbe in schlechtem Andenken, weil er 1808 die Japaner gegen den Phaëton
unter Capitän Pellew aufhetzte, ja gern die Vernichtung des englischen Schiffes
und seiner Besatzung gesehen hätte.
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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 1. Leipzig, 1881, S. 390. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan01_1881/418>, abgerufen am 22.11.2024.
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