Schlegel, August Wilhelm von; Schlegel, Friedrich von (Hrsg.): Athenaeum. Bd. 1. Berlin, 1798.mittelbar zusammen gehörige: das persönliche Fürwort und Hülfswort vom Zeitworte, dieses von der Konjunkzion wodurch es regiert wird; die trennbaren Präposizionen von den Zeitwörtern, womit sie zusammengesetzt sind u.s.w. Das eine stellt sie zu Anfange, das andre zu Ende des Satzes. Kurz, eure Wortfügung gleicht, besonders in den langen prosaischen Perioden, einer Krebsschere die sich langsam und bedächtig öffnet, und dann auf einmal zuschnappt. Deutscher. Du hast keine Ursache zu spotten. Wie gebunden ist deine poetische Wortfolge gegen meine! Jtaliäner. Und wiederum die Deutsche gegen meine! Franzose. Jhr könnt nicht einmal wie wir das Beywort vor oder hinter das Hauptwort setzen. Deutscher. Wir thun jetzt auch das letzte mit Hülfe des wiederhohlten Artikels. Poesie. Engländer. Jetzt habe ich eine besondre Klage gegen ihn vorzubringen. Deutscher. Es liegt ja am Tage. Er hat auch durch Übersetzung einer Stelle Miltons, worin er die mittelbar zusammen gehoͤrige: das persoͤnliche Fuͤrwort und Huͤlfswort vom Zeitworte, dieses von der Konjunkzion wodurch es regiert wird; die trennbaren Praͤposizionen von den Zeitwoͤrtern, womit sie zusammengesetzt sind u.s.w. Das eine stellt sie zu Anfange, das andre zu Ende des Satzes. Kurz, eure Wortfuͤgung gleicht, besonders in den langen prosaischen Perioden, einer Krebsschere die sich langsam und bedaͤchtig oͤffnet, und dann auf einmal zuschnappt. Deutscher. Du hast keine Ursache zu spotten. Wie gebunden ist deine poetische Wortfolge gegen meine! Jtaliaͤner. Und wiederum die Deutsche gegen meine! Franzose. Jhr koͤnnt nicht einmal wie wir das Beywort vor oder hinter das Hauptwort setzen. Deutscher. Wir thun jetzt auch das letzte mit Huͤlfe des wiederhohlten Artikels. Poesie. Englaͤnder. Jetzt habe ich eine besondre Klage gegen ihn vorzubringen. Deutscher. Es liegt ja am Tage. Er hat auch durch Übersetzung einer Stelle Miltons, worin er die <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <p><pb facs="#f0075" n="64"/> mittelbar zusammen gehoͤrige: das persoͤnliche Fuͤrwort und Huͤlfswort vom Zeitworte, dieses von der Konjunkzion wodurch es regiert wird; die trennbaren Praͤposizionen von den Zeitwoͤrtern, womit sie zusammengesetzt sind u.s.w. Das eine stellt sie zu Anfange, das andre zu Ende des Satzes. Kurz, eure Wortfuͤgung gleicht, besonders in den langen prosaischen Perioden, einer Krebsschere die sich langsam und bedaͤchtig oͤffnet, und dann auf einmal zuschnappt.</p><lb/> <p><hi rendition="#g">Deutscher</hi>. Du hast keine Ursache zu spotten. Wie gebunden ist deine poetische Wortfolge gegen meine!</p><lb/> <p><hi rendition="#g">Jtaliaͤner</hi>. Und wiederum die Deutsche gegen meine!</p><lb/> <p><hi rendition="#g">Franzose.</hi> Jhr koͤnnt nicht einmal wie wir das Beywort vor oder hinter das Hauptwort setzen.</p><lb/> <p><hi rendition="#g">Deutscher</hi>. Wir thun jetzt auch das letzte mit Huͤlfe des wiederhohlten Artikels.</p><lb/> <p><hi rendition="#g">Poesie</hi>.<lb/> Man kann einer Sprache eigentlich das nicht anrechnen, wozu nur die Kuͤhnheit einiger Maͤnner von Ansehn sie allmaͤhlig nicht ohne Widersetzlichkeit gebracht hat. Erinnre dich, Deutscher, wie gar weniges von poetischer Wortstellung ihr hattet, ehe Klopstock dichtete.</p><lb/> <p><hi rendition="#g">Englaͤnder</hi>. Jetzt habe ich eine besondre Klage gegen ihn vorzubringen.<lb/> Er beschuldigt mich der barbarischen Sprachmischerey: ich nehme Lateinische Woͤrter aus dem eisernen Zeitalter auf, und selbst aus dem bleyernen der Moͤnche.</p><lb/> <p><hi rendition="#g">Deutscher</hi>. Es liegt ja am Tage. Er hat auch durch Übersetzung einer Stelle Miltons, worin er die<lb/></p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [64/0075]
mittelbar zusammen gehoͤrige: das persoͤnliche Fuͤrwort und Huͤlfswort vom Zeitworte, dieses von der Konjunkzion wodurch es regiert wird; die trennbaren Praͤposizionen von den Zeitwoͤrtern, womit sie zusammengesetzt sind u.s.w. Das eine stellt sie zu Anfange, das andre zu Ende des Satzes. Kurz, eure Wortfuͤgung gleicht, besonders in den langen prosaischen Perioden, einer Krebsschere die sich langsam und bedaͤchtig oͤffnet, und dann auf einmal zuschnappt.
Deutscher. Du hast keine Ursache zu spotten. Wie gebunden ist deine poetische Wortfolge gegen meine!
Jtaliaͤner. Und wiederum die Deutsche gegen meine!
Franzose. Jhr koͤnnt nicht einmal wie wir das Beywort vor oder hinter das Hauptwort setzen.
Deutscher. Wir thun jetzt auch das letzte mit Huͤlfe des wiederhohlten Artikels.
Poesie.
Man kann einer Sprache eigentlich das nicht anrechnen, wozu nur die Kuͤhnheit einiger Maͤnner von Ansehn sie allmaͤhlig nicht ohne Widersetzlichkeit gebracht hat. Erinnre dich, Deutscher, wie gar weniges von poetischer Wortstellung ihr hattet, ehe Klopstock dichtete.
Englaͤnder. Jetzt habe ich eine besondre Klage gegen ihn vorzubringen.
Er beschuldigt mich der barbarischen Sprachmischerey: ich nehme Lateinische Woͤrter aus dem eisernen Zeitalter auf, und selbst aus dem bleyernen der Moͤnche.
Deutscher. Es liegt ja am Tage. Er hat auch durch Übersetzung einer Stelle Miltons, worin er die
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Zitationshilfe: | Schlegel, August Wilhelm von; Schlegel, Friedrich von (Hrsg.): Athenaeum. Bd. 1. Berlin, 1798, S. 64. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schlegel_athenaeum_1798/75>, abgerufen am 16.02.2025. |