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Steinen, Karl von den: Unter den Naturvölkern Zentral-Brasiliens. Berlin, 1894.

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Betrachten wir die fünf Bakairiporträts, so haben wir, wenn wir die Zahlen
der Finger in den Zähler und die der Zehen in den Nenner setzen, folgende Ver-
hältnisse: [Formel 1] , [Formel 2] , [Formel 3] , [Formel 4] (Kulisehu I) und [Formel 5]
(Kulisehu II). Ich liess mir an meiner Hand zeigen, welche Finger sie abgezeichnet
hatten; sie fassten mir Daumen, Kleinfinger und Mittelfinger an und deuteten
auf die entsprechenden Striche so, dass der Kleinfinger der innen gelegene der
drei wurde, der in meinem Konterfei von der Vierergruppe zufällig der längste
war. Ehrenreich ist mit zwei fünffingrigen Armen, Wilhelm wenigstens mit einem
solchen ausgestattet. Die untern Extremitäten haben drei Zehen mit Ausnahme
meines Porträts, Kulisehu II, wo auf einer Seite vier vorhanden sind. Der Nahuqua
auf derselben Tafel hat, nachdem seine erste Aufnahme getadelt worden war, in
der zweiten die Zahl der Finger richtig gezeichnet, freilich nicht aus dem Kopf,
sondern mit genauer Betrachtung des beleidigten Originals.

Bei den Bororo finden wir auf Tafel I, abgesehen von meinem armlosen
Porträt, Wilhelm mit je fünf Fingern, den Soldaten mit je drei und ebenso auf
Tafel II die Indianerin mit drei Fingern. Im Uebrigen ist hier ein grosser Fort-
schritt anzuerkennen. Es erscheinen nicht nur Ellbogen- und Kniegelenke in Ge-
stalt von dicken Knoten, sondern auch Hände und Füsse. Eine rührende
Sorgfalt ist auf dem klassischen Bild, das mich mit Pfeife und Notizbuch dar-
stellt, dem linken, mit der Hand zu einer dicken Masse vereinigten Daumen ge-
widmet worden: an der rechten Hand bemerken wir zu unserer Ueberraschung
sieben Finger, finden aber volle Aufklärung in dem Umstand, dass die beiden
Extrafinger das Büchlein festhalten müssen; die Beine stehen auf Schuhen, wie
auch die Wilhelm's darunter. Der Soldat ist mit zwei Beinstrichen in den Boden
eingepflanzt. Die Mittelfigur daneben hat höchst merkwürdige Hände und Füsse,
aber hat doch welche; sie erinnern ausserordentlich an die blutsaugenden Zecken.
Man bemerkt bei ihr auch die Neigung, den Extremitäten eine zweite Dimension
zu geben. Die Füsse der Indianerin, Bororo II, sind, ein drolliger Kontrast zu
den fehlenden Händen, in vortrefflichem Umriss und in guter Horizontalstellung
gezeichnet; man würde sie für Schuhe halten, wenn ihnen nicht je drei Zehen,
kurzen Haaren nicht unähnlich, eingepflanzt wären.

Von den Tierbildern haben nur bei den Bororo Tapir und Affe gegliederte
Füsse. Die Jaguarbeine enden in runden Knöpfen -- Katzenpfoten. Stets ist
der Schwanz charakterisiert, nur bei dem gefleckten Jaguar muss man sich billig
wundern über den buschigen Stummel. Bei dem fliegenden Kolibri, dessen Beine
fehlen und ja auch fehlen dürfen, sehen wir einen langen und geteilten Schwanz,
wie er bei dieser Vogelart häufiger vorkommt.

Rindenzeichnungen. Ziemlich selten, ausgenommen bei den Nahuqua, wo
sie zahlreich waren, fanden sich an dem vom Fluss zum Dorf führenden Wald-
pfad in den Bäumen menschliche Figuren eingeschnitten, das heisst in den Umriss-
linien eingeritzt oder der Fläche nach aus der Rinde abgeschält. Es waren, soviel ich

Betrachten wir die fünf Bakaïríporträts, so haben wir, wenn wir die Zahlen
der Finger in den Zähler und die der Zehen in den Nenner setzen, folgende Ver-
hältnisse: [Formel 1] , [Formel 2] , [Formel 3] , [Formel 4] (Kulisehu I) und [Formel 5]
(Kulisehu II). Ich liess mir an meiner Hand zeigen, welche Finger sie abgezeichnet
hatten; sie fassten mir Daumen, Kleinfinger und Mittelfinger an und deuteten
auf die entsprechenden Striche so, dass der Kleinfinger der innen gelegene der
drei wurde, der in meinem Konterfei von der Vierergruppe zufällig der längste
war. Ehrenreich ist mit zwei fünffingrigen Armen, Wilhelm wenigstens mit einem
solchen ausgestattet. Die untern Extremitäten haben drei Zehen mit Ausnahme
meines Porträts, Kulisehu II, wo auf einer Seite vier vorhanden sind. Der Nahuquá
auf derselben Tafel hat, nachdem seine erste Aufnahme getadelt worden war, in
der zweiten die Zahl der Finger richtig gezeichnet, freilich nicht aus dem Kopf,
sondern mit genauer Betrachtung des beleidigten Originals.

Bei den Bororó finden wir auf Tafel I, abgesehen von meinem armlosen
Porträt, Wilhelm mit je fünf Fingern, den Soldaten mit je drei und ebenso auf
Tafel II die Indianerin mit drei Fingern. Im Uebrigen ist hier ein grosser Fort-
schritt anzuerkennen. Es erscheinen nicht nur Ellbogen- und Kniegelenke in Ge-
stalt von dicken Knoten, sondern auch Hände und Füsse. Eine rührende
Sorgfalt ist auf dem klassischen Bild, das mich mit Pfeife und Notizbuch dar-
stellt, dem linken, mit der Hand zu einer dicken Masse vereinigten Daumen ge-
widmet worden: an der rechten Hand bemerken wir zu unserer Ueberraschung
sieben Finger, finden aber volle Aufklärung in dem Umstand, dass die beiden
Extrafinger das Büchlein festhalten müssen; die Beine stehen auf Schuhen, wie
auch die Wilhelm’s darunter. Der Soldat ist mit zwei Beinstrichen in den Boden
eingepflanzt. Die Mittelfigur daneben hat höchst merkwürdige Hände und Füsse,
aber hat doch welche; sie erinnern ausserordentlich an die blutsaugenden Zecken.
Man bemerkt bei ihr auch die Neigung, den Extremitäten eine zweite Dimension
zu geben. Die Füsse der Indianerin, Bororó II, sind, ein drolliger Kontrast zu
den fehlenden Händen, in vortrefflichem Umriss und in guter Horizontalstellung
gezeichnet; man würde sie für Schuhe halten, wenn ihnen nicht je drei Zehen,
kurzen Haaren nicht unähnlich, eingepflanzt wären.

Von den Tierbildern haben nur bei den Bororó Tapir und Affe gegliederte
Füsse. Die Jaguarbeine enden in runden Knöpfen — Katzenpfoten. Stets ist
der Schwanz charakterisiert, nur bei dem gefleckten Jaguar muss man sich billig
wundern über den buschigen Stummel. Bei dem fliegenden Kolibri, dessen Beine
fehlen und ja auch fehlen dürfen, sehen wir einen langen und geteilten Schwanz,
wie er bei dieser Vogelart häufiger vorkommt.

Rindenzeichnungen. Ziemlich selten, ausgenommen bei den Nahuquá, wo
sie zahlreich waren, fanden sich an dem vom Fluss zum Dorf führenden Wald-
pfad in den Bäumen menschliche Figuren eingeschnitten, das heisst in den Umriss-
linien eingeritzt oder der Fläche nach aus der Rinde abgeschält. Es waren, soviel ich

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[255/0309] Betrachten wir die fünf Bakaïríporträts, so haben wir, wenn wir die Zahlen der Finger in den Zähler und die der Zehen in den Nenner setzen, folgende Ver- hältnisse: [FORMEL], [FORMEL], [FORMEL], [FORMEL] (Kulisehu I) und [FORMEL] (Kulisehu II). Ich liess mir an meiner Hand zeigen, welche Finger sie abgezeichnet hatten; sie fassten mir Daumen, Kleinfinger und Mittelfinger an und deuteten auf die entsprechenden Striche so, dass der Kleinfinger der innen gelegene der drei wurde, der in meinem Konterfei von der Vierergruppe zufällig der längste war. Ehrenreich ist mit zwei fünffingrigen Armen, Wilhelm wenigstens mit einem solchen ausgestattet. Die untern Extremitäten haben drei Zehen mit Ausnahme meines Porträts, Kulisehu II, wo auf einer Seite vier vorhanden sind. Der Nahuquá auf derselben Tafel hat, nachdem seine erste Aufnahme getadelt worden war, in der zweiten die Zahl der Finger richtig gezeichnet, freilich nicht aus dem Kopf, sondern mit genauer Betrachtung des beleidigten Originals. Bei den Bororó finden wir auf Tafel I, abgesehen von meinem armlosen Porträt, Wilhelm mit je fünf Fingern, den Soldaten mit je drei und ebenso auf Tafel II die Indianerin mit drei Fingern. Im Uebrigen ist hier ein grosser Fort- schritt anzuerkennen. Es erscheinen nicht nur Ellbogen- und Kniegelenke in Ge- stalt von dicken Knoten, sondern auch Hände und Füsse. Eine rührende Sorgfalt ist auf dem klassischen Bild, das mich mit Pfeife und Notizbuch dar- stellt, dem linken, mit der Hand zu einer dicken Masse vereinigten Daumen ge- widmet worden: an der rechten Hand bemerken wir zu unserer Ueberraschung sieben Finger, finden aber volle Aufklärung in dem Umstand, dass die beiden Extrafinger das Büchlein festhalten müssen; die Beine stehen auf Schuhen, wie auch die Wilhelm’s darunter. Der Soldat ist mit zwei Beinstrichen in den Boden eingepflanzt. Die Mittelfigur daneben hat höchst merkwürdige Hände und Füsse, aber hat doch welche; sie erinnern ausserordentlich an die blutsaugenden Zecken. Man bemerkt bei ihr auch die Neigung, den Extremitäten eine zweite Dimension zu geben. Die Füsse der Indianerin, Bororó II, sind, ein drolliger Kontrast zu den fehlenden Händen, in vortrefflichem Umriss und in guter Horizontalstellung gezeichnet; man würde sie für Schuhe halten, wenn ihnen nicht je drei Zehen, kurzen Haaren nicht unähnlich, eingepflanzt wären. Von den Tierbildern haben nur bei den Bororó Tapir und Affe gegliederte Füsse. Die Jaguarbeine enden in runden Knöpfen — Katzenpfoten. Stets ist der Schwanz charakterisiert, nur bei dem gefleckten Jaguar muss man sich billig wundern über den buschigen Stummel. Bei dem fliegenden Kolibri, dessen Beine fehlen und ja auch fehlen dürfen, sehen wir einen langen und geteilten Schwanz, wie er bei dieser Vogelart häufiger vorkommt. Rindenzeichnungen. Ziemlich selten, ausgenommen bei den Nahuquá, wo sie zahlreich waren, fanden sich an dem vom Fluss zum Dorf führenden Wald- pfad in den Bäumen menschliche Figuren eingeschnitten, das heisst in den Umriss- linien eingeritzt oder der Fläche nach aus der Rinde abgeschält. Es waren, soviel ich

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Zitationshilfe: Steinen, Karl von den: Unter den Naturvölkern Zentral-Brasiliens. Berlin, 1894, S. 255. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/steinen_naturvoelker_1894/309>, abgerufen am 21.11.2024.