Wolff, Christian von: Vernünfftige Gedancken Von den Würckungen der Natur. Halle (Saale), 1723.Cap. XI. Von dem Wachsthum Vergrösserungs-Glaß deutlich sehen könn-te (§. 96. T. III. Exper.); so habe ich doch eine andere Manier erdacht, wie man sie zum Vorscheine bringen kan (§. 165 T. I. Exper.) und dadurch sie auch Herr Thüm- mig in dem Stiele des Blates gefunden (c). Daß in den andern Röhren sich der Safft bewegen kan, kan man erfahren, wenn man ein Stücklein Holtz von einem dünnen Aestlein abschneidet, oben einen Becher von Wachs herumb kleibet und Wasser darein geußt: denn wenn man das Höltzlein so stellet, wie es im Baume ge- standen, daß unten zu stehen kommet, was gegen die Wurtzel gestanden, so wird man mit Anmuth sehen, wie endlich das Wasser durchsickert. Jch habe es aber auch durch das Vergrösserungs-Glaß observiret, daß das Wasser von Speichel in den subtilesten Röhrlein wie ein Pfeil durchgeschossen (§. 96. T. III. Exper.). Und es ist ja bekandt, daß das Holtz zur Frühlings-Zeit, wenn viel Safft in die Bäume steiget, viel feuchter und schweerer ist als zu anderer Zeit, auch, wenn es erst gefället worden, nicht so dichte, wie wenn es ausgetrocknet: welches eine Anzeige ist, daß Safft in den Röhrlein vor- handen. (c) in Experimento singulari de arboribus
ex foliis educatis §. 12. Conf. der Bersuch part. 2. p. 124. & seqq. Cap. XI. Von dem Wachsthum Vergroͤſſerungs-Glaß deutlich ſehen koͤnn-te (§. 96. T. III. Exper.); ſo habe ich doch eine andere Manier erdacht, wie man ſie zum Vorſcheine bringen kan (§. 165 T. I. Exper.) und dadurch ſie auch Herr Thuͤm- mig in dem Stiele des Blates gefunden (c). Daß in den andern Roͤhren ſich der Safft bewegen kan, kan man erfahren, wenn man ein Stuͤcklein Holtz von einem duͤnnen Aeſtlein abſchneidet, oben einen Becher von Wachs herumb kleibet und Waſſer darein geußt: denn wenn man das Hoͤltzlein ſo ſtellet, wie es im Baume ge- ſtanden, daß unten zu ſtehen kommet, was gegen die Wurtzel geſtanden, ſo wird man mit Anmuth ſehen, wie endlich das Waſſer durchſickert. Jch habe es aber auch durch das Vergroͤſſerungs-Glaß obſerviret, daß das Waſſer von Speichel in den ſubtileſten Roͤhrlein wie ein Pfeil durchgeſchoſſen (§. 96. T. III. Exper.). Und es iſt ja bekandt, daß das Holtz zur Fruͤhlings-Zeit, wenn viel Safft in die Baͤume ſteiget, viel feuchter und ſchweerer iſt als zu anderer Zeit, auch, wenn es erſt gefaͤllet worden, nicht ſo dichte, wie wenn es ausgetrocknet: welches eine Anzeige iſt, daß Safft in den Roͤhrlein vor- handen. (c) in Experimento ſingulari de arboribus
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Cap. XI. Von dem Wachsthum
Vergroͤſſerungs-Glaß deutlich ſehen koͤnn-
te (§. 96. T. III. Exper.); ſo habe ich doch
eine andere Manier erdacht, wie man ſie
zum Vorſcheine bringen kan (§. 165 T. I.
Exper.) und dadurch ſie auch Herr Thuͤm-
mig in dem Stiele des Blates gefunden
(c). Daß in den andern Roͤhren ſich der
Safft bewegen kan, kan man erfahren,
wenn man ein Stuͤcklein Holtz von einem
duͤnnen Aeſtlein abſchneidet, oben einen
Becher von Wachs herumb kleibet und
Waſſer darein geußt: denn wenn man das
Hoͤltzlein ſo ſtellet, wie es im Baume ge-
ſtanden, daß unten zu ſtehen kommet, was
gegen die Wurtzel geſtanden, ſo wird man
mit Anmuth ſehen, wie endlich das Waſſer
durchſickert. Jch habe es aber auch durch
das Vergroͤſſerungs-Glaß obſerviret, daß
das Waſſer von Speichel in den ſubtileſten
Roͤhrlein wie ein Pfeil durchgeſchoſſen (§.
96. T. III. Exper.). Und es iſt ja bekandt,
daß das Holtz zur Fruͤhlings-Zeit, wenn viel
Safft in die Baͤume ſteiget, viel feuchter
und ſchweerer iſt als zu anderer Zeit, auch,
wenn es erſt gefaͤllet worden, nicht ſo dichte,
wie wenn es ausgetrocknet: welches eine
Anzeige iſt, daß Safft in den Roͤhrlein vor-
handen.
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