dieses Blut vorhanden, davon der erste in das Ohr, von dem es herkam, der andre aber in diejenige Schlagader der Lunge führt, welche aus der rechten Herzkammer her- auskommt.
Bei einem sterbenden Thiere tritt das Blut zuweilen aus der rechten Hölung des Herzens in das Ohr zurükke. Noch öfterer aber geschiehet solches bei denen Thieren die kaltes Blut haben (f), weil bei denenselben ein ununter- brochener Hin- und Rükfluß des Blutes, zwischen dem Herzohre und dem Herzen, zuwegegebracht wird, wenn man die Aorte unterbunden hat. Einen solchen Blut- strudel sahe Mery an dem Thier in der Keilmuschel, da das Herze wechselweise das Wasser aus dem Ohre in sich schlukte, und dasselbe wieder in das Ohr zurüktrieb (g). Jch habe auch an vierfüßigen Thieren, die warmes Blut führen, ebenfalls wahrgenommen (h), daß das Blut, wenn ich das Herze gelinde drükte, wieder in das Ohr zurükfloß, und daß auf eben die Art das Wasser, womit ich die Herzkammern anfüllte und ausmaß, durch die Oh- ren heraustrat, und daß die Luft, die man hineingeblasen, wieder in das Herzohr zurükgetrieben ward.
Es bringt mich aber der Bau des Blutaderringes, welcher sich von der Blutadermündung an, und den Gren- zen des Ohres, bis in die Höle der rechten Kammer ver- längert, auf die Gedanken, daß dergleichen Erfolg bei einem lebendigen Thiere nur sehr selten statt finde. Denn da sich, unter der Zusammenziehung, die Wände des Her- zens allemal der Scheidewand, und folglich der Achse der Kammern nähern (i), so treiben sie folglich das Blut gegen diese Achse hin. Zwischen diesen Wänden aber, und der Achse, schwebet der membranöse Ring; die-
ser
(f)[Spaltenumbruch]Exp. 551. 553.
(g)Memoir. de l'Acad. roy. des scienc. 1710. S. 421.
(h)[Spaltenumbruch]Exp. 474.
(i) Jm 6ten Abschnitt §. 6.
Viertes Buch. Das Herz.
dieſes Blut vorhanden, davon der erſte in das Ohr, von dem es herkam, der andre aber in diejenige Schlagader der Lunge fuͤhrt, welche aus der rechten Herzkammer her- auskommt.
Bei einem ſterbenden Thiere tritt das Blut zuweilen aus der rechten Hoͤlung des Herzens in das Ohr zuruͤkke. Noch oͤfterer aber geſchiehet ſolches bei denen Thieren die kaltes Blut haben (f), weil bei denenſelben ein ununter- brochener Hin- und Ruͤkfluß des Blutes, zwiſchen dem Herzohre und dem Herzen, zuwegegebracht wird, wenn man die Aorte unterbunden hat. Einen ſolchen Blut- ſtrudel ſahe Mery an dem Thier in der Keilmuſchel, da das Herze wechſelweiſe das Waſſer aus dem Ohre in ſich ſchlukte, und daſſelbe wieder in das Ohr zuruͤktrieb (g). Jch habe auch an vierfuͤßigen Thieren, die warmes Blut fuͤhren, ebenfalls wahrgenommen (h), daß das Blut, wenn ich das Herze gelinde druͤkte, wieder in das Ohr zuruͤkfloß, und daß auf eben die Art das Waſſer, womit ich die Herzkammern anfuͤllte und ausmaß, durch die Oh- ren heraustrat, und daß die Luft, die man hineingeblaſen, wieder in das Herzohr zuruͤkgetrieben ward.
Es bringt mich aber der Bau des Blutaderringes, welcher ſich von der Blutadermuͤndung an, und den Gren- zen des Ohres, bis in die Hoͤle der rechten Kammer ver- laͤngert, auf die Gedanken, daß dergleichen Erfolg bei einem lebendigen Thiere nur ſehr ſelten ſtatt finde. Denn da ſich, unter der Zuſammenziehung, die Waͤnde des Her- zens allemal der Scheidewand, und folglich der Achſe der Kammern naͤhern (i), ſo treiben ſie folglich das Blut gegen dieſe Achſe hin. Zwiſchen dieſen Waͤnden aber, und der Achſe, ſchwebet der membranoͤſe Ring; die-
ſer
(f)[Spaltenumbruch]Exp. 551. 553.
(g)Memoir. de l’Acad. roy. des ſcienc. 1710. S. 421.
(h)[Spaltenumbruch]Exp. 474.
(i) Jm 6ten Abſchnitt §. 6.
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Viertes Buch. Das Herz.
dieſes Blut vorhanden, davon der erſte in das Ohr, von
dem es herkam, der andre aber in diejenige Schlagader
der Lunge fuͤhrt, welche aus der rechten Herzkammer her-
auskommt.
Bei einem ſterbenden Thiere tritt das Blut zuweilen
aus der rechten Hoͤlung des Herzens in das Ohr zuruͤkke.
Noch oͤfterer aber geſchiehet ſolches bei denen Thieren die
kaltes Blut haben (f), weil bei denenſelben ein ununter-
brochener Hin- und Ruͤkfluß des Blutes, zwiſchen dem
Herzohre und dem Herzen, zuwegegebracht wird, wenn
man die Aorte unterbunden hat. Einen ſolchen Blut-
ſtrudel ſahe Mery an dem Thier in der Keilmuſchel, da
das Herze wechſelweiſe das Waſſer aus dem Ohre in ſich
ſchlukte, und daſſelbe wieder in das Ohr zuruͤktrieb (g).
Jch habe auch an vierfuͤßigen Thieren, die warmes Blut
fuͤhren, ebenfalls wahrgenommen (h), daß das Blut,
wenn ich das Herze gelinde druͤkte, wieder in das Ohr
zuruͤkfloß, und daß auf eben die Art das Waſſer, womit
ich die Herzkammern anfuͤllte und ausmaß, durch die Oh-
ren heraustrat, und daß die Luft, die man hineingeblaſen,
wieder in das Herzohr zuruͤkgetrieben ward.
Es bringt mich aber der Bau des Blutaderringes,
welcher ſich von der Blutadermuͤndung an, und den Gren-
zen des Ohres, bis in die Hoͤle der rechten Kammer ver-
laͤngert, auf die Gedanken, daß dergleichen Erfolg bei
einem lebendigen Thiere nur ſehr ſelten ſtatt finde. Denn
da ſich, unter der Zuſammenziehung, die Waͤnde des Her-
zens allemal der Scheidewand, und folglich der Achſe
der Kammern naͤhern (i), ſo treiben ſie folglich das
Blut gegen dieſe Achſe hin. Zwiſchen dieſen Waͤnden
aber, und der Achſe, ſchwebet der membranoͤſe Ring; die-
ſer
(f)
Exp. 551. 553.
(g) Memoir. de l’Acad. roy. des
ſcienc. 1710. S. 421.
(h)
Exp. 474.
(i) Jm 6ten Abſchnitt §. 6.
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Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 1. Berlin, 1759, S. 770. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende01_1759/826>, abgerufen am 22.11.2024.
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